Erinnerungen an den Zürcher Tonhallekrawall vom 9. März 1871

In der Nacht vom 9. auf den 10. März 1871 protestierte eine wütende Menge von mehreren hundert Personen vor der Alten Tonhalle auf dem heutigen Sechseläutenplatz gegen eine Feier anlässlich des bevorstehenden deutschen Sieges im Deutsch-Französischen Krieg. Mitorganisiert wurde der Anlass von den beiden Polytechnikum-Professoren Gottfried Semper und Johannes Wislicenus. Der Ausbruch stürmischer Gewalt zwischen Anhängern der jungen französischen Republik und Deutschlandfreundlichen war Ausdruck der Folgen eines ungehemmten Nationalismus.

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Foto: Lisbeth Sachs, Kunsthalle an der zweiten Ausstellung für Frauenarbeit (SAFFA) in Zürich, 1958 (Foto: Erica Müller-Rieder, gta Archiv / ETH Zürich)

Architektonische Reimagination: Der Schweizer Pavillon an der Biennale von Venedig

In ihrem diesjährigen Beitrag für den Schweizer Pavillon an der Biennale von Venedig fragt das Architektinnen-Kollektiv Annexe: «Was wäre, wenn nicht Bruno Giacometti, sondern Lisbeth Sachs den Schweizer Pavillon entworfen hätte?». Die Überlagerung der bestehenden Pavillonarchitektur mit dem zeitgleich entstandenen Entwurf einer weiblichen Kollegin hinterfragt den Status quo und etabliert ein alternatives Narrativ.

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Zum 150. Geburtstag von Carl Gustav Jung

Carl Gustav Jung, meist kurz C. G. Jung, war einer der bekanntesten Schweizer Psychiater, wenn nicht sogar der Bekannteste. Er begründete die Analytische Psychologie und hätte morgen seinen 150. Geburtstag gefeiert, wäre er nicht 1961 verstorben. Anlässlich dieses Jubiläums werfen wir einen Blick zurück – nicht in Junges Leben, sondern auf das Jahr 1975, als er seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte.

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Das gefangene Tier: Kuratierte Reflexionen im ETH Bildarchiv während des Zurich Art Weekend 2025

Anlässlich des Zurich Art Weekend 2025 führte ich am 14. und 15. Juni eine kuratierte Führung mit dem Titel The Captured Animal: Encounter im ETH Bildarchiv in Zusammenarbeit mit Nicole Graf. Diese Führung lud internationale Teilnehmer dazu ein, darüber nachzudenken, wie Tiere in unterschiedlichen kulturellen, wissenschaftlichen und kolonialen Kontexten dargestellt, klassifiziert, instrumentalisiert und betrachtet wurden. Die Begegnung entfaltete sich in vier thematischen Akten, die sich von Laborräumen zu Zoos, von taxidermisierten Ausstellungen zu Momenten des direkten visuellen Kontakts zwischen Mensch und Tier bewegten.

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Zum 150. Todestag: Der Kartograf Guillaume Henri Dufour

Vor ziemlich genau 150 Jahren, am 14. Juli 1875, verstarb Guillaume Henri Dufour. Der Kartograf und erster General des modernen schweizerischen Bundesstaats war massgeblich an der Vermessung der Schweiz beteiligt, zu den bekanntesten Werken gehört die sogenannte „Dufourkarte“. Doch sein Wirken als Kartograf blieb nicht auf dieses eine Werk begrenzt.

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Der Bodensee – Teil 2/2: Region der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie

Kaum jemand weiss (ausser man ist in der Branche tätig), dass die deutsche Seite des Bodensees einer der wichtigen Standorte der Luft- und Raumfahrtindustrie Deutschlands ist. Begonnen hat dies alles Anfang des 20. Jahrhunderts mit Ferdinand Graf Zeppelin, der dort seine Luftschiffe «Zeppeline» verwirklichte, und mit Claude Dornier.

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Drachenkopffisch Sea Scorpion

Gerollt und gepickelt – Von Dracheköpfen und verlinkten Entitäten

John Hill (1714–1775) veröffentlichte 1752 das dreibändige Werk A General Natural History Or, New and Accurate Descriptions of the Animals, Vegetables, and Minerals of the Different Parts of the World (→ Digitalisat auf e-rara). Der dritte Teil des Werks, The History of Animals, behandelt das Tierreich, angefangen bei den Animalcules, über die Insekten (unterteilt in diejenigen ohne Flügel, geflügelte und nackte), zu den Schalentieren, Fischen und Vögeln bis hin zu den Quadrupeds, den Vierbeinern.

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Arnold Heims Reise nach Bali

Die indonesische Insel Bali gilt heute als Inbegriff eines „tropischen Paradieses“, die bei Backpacker:innen, Digital Nomads und Luxusurlauber:innen gleichermassen beliebt ist. Doch die Insel war bereits einige Jahrzehnte zuvor eine beliebte Reisedestination. Schon 1939 besuchte der Schweizer Geologe und Naturforscher Arnold Heim Bali und hielt seine Eindrücke in Reisetagebüchern fest.

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Diorit Reaktorsimulator, drei grosse technische Geräte nebeneinander

Ein Reaktor-Simulator aus den Anfängen der Schweizer Kernforschung

«Wenn der Nationalrat in Bern zustimmt (…) brauchen wir keine Stauseen mehr!» Das aus einem 1945 veröffentlichten Zeitungsartikel stammende Zitat über den Bau von eigenen Atomkraftwerken verdeutlicht die grossen Hoffnungen, die während der Nachkriegsjahre in die neue Energieforschung gesetzt wurden.[1] Seit Juli 2024 befindet sich im Depot der Sammlung wissenschaftlicher Instrumente und Lehrmittel der ETH-Bibliothek ein Reaktor-Simulator aus dieser Anfangszeit der Schweizer Kernforschung.

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