Im April 1912 brachen sieben Wissenschaftler unter der Leitung des Schweizer Forschers Alfred de Quervain (1879–1927) zur rund vierzehnmonatigen ‹Schweizerischen Grönlandexpedition› auf. Nach dem gescheiterten ersten Anlauf im Jahr 1909 sollte nun bei diesem zweiten Versuch die Erstüberquerung des Inlandeises bis zur Ostküste Grönlands und deren Erstkartografierung gelingen. Das Gebiet im Osten Grönlands heisst bis heute ‹Schweizerland›. Im Anschluss an diese Expedition im kolonialen Kontext erhielt de Quervain im Jahr 1915 eine Titularprofessur an der ETH Zürich.
Geschichte
Die Villa Wesendonck – Ein architektonischer Knotenpunkt zwischen globalem Handelskapital, politischem Exil und der ETH-Geschichte
Betrachtet man das heutige Museum Rietberg im Zürcher Quartier Enge, so richtet sich der Blick meist auf die Sammlungen aussereuropäischer Kunst. Das Hauptgebäude jedoch, die Villa Wesendonck (Abb.1), repräsentiert eine andere, ähnlich globale Geschichte, die in den Handelsbeziehungen des europäischen Bürgertums verwurzelt ist.[1]
Die Urschweiz als Paradies: Wissenschaft, Glaube und koloniale Imagination bei Oswald Heer
Oswald Heer (1809–1883) war eine prägende und vielschichtige Person der wissenschaftlichen Landschaft Zürichs im 19. Jahrhundert. Heer war nicht nur Professor für Botanik und Entomologie am Eidgenössischen Polytechnikum – der heutigen ETH – und Direktor des Botanischen Gartens Zürich, sondern auch ausgebildeter reformierter Theologe.[1] In seiner Arbeit begegnen sich die Kanzel und das Labor nicht als Gegensätze, sondern als zwei Zugänge, die er parallel nutzt, um Welt und Natur zu verstehen. In seinem Hauptwerk Die Urwelt der Schweiz von 1865[2] interpretiert er die Vielfalt an fossilen Pflanzen, Tieren und Gesteinen als Ausdruck eines göttlichen Plans, der in der Naturgeschichte abgelesen werden kann.[3] Diese enge Verflechtung von Wissenschaft und christlichem Gottesbild prägen Heers Vision von einer warmen und ‹tropischen› Urwelt der Schweiz im Miozän, vor etwa 13 Millionen Jahren.
Entomologie im Dienst der kolonialen Plantagenwirtschaft
Im September 1929 brach der ETH-Doktorand Gustav Bünzli, der – wie sein Name vielleicht erahnen lässt – Schweizer war, auf eine Reise nach Suriname auf.[1] Damals war Suriname eine holländische Kolonie, die vor allem für den Kaffeeanbau ausgebeutet wurde.[2] Die für die Plantagenwirtschaft typische Monokultur hatte einen wesentlichen Nachteil: Sie litt unter einem Ameisenbefall, der in einer berüchtigten Pflanzenkrankheit namens Phloemnecrose resultierte, die von Pflanze zu Pflanze übertragen wurde.[3] Die Plage führte zu beachtlichen finanziellen Schäden für die Kolonialherrscher. Bünzlis Reise nach Suriname hatte den Zweck, eine taxonomische Klassifikation der lokalen Insekten durchzuführen sowie eine Empfehlung für die Ameisenbekämpfung zu erstellen.
Vernetzte Professoren: Was Provenienzerschliessung alles ans Licht bringen kann
Wem gehörte eine Karte oder ein Buch, bevor sie ihren Weg in den Bestand der ETH-Bibliothek fanden? Mit dieser Frage beschäftigen sich die Katalogisierenden der Gruppe Rara und Karte in der Provenienzerschliessung. Anhand von Stempeln, Exlibris und handschriftlichen Widmungen werden sowohl Vorbesitzer als auch buchhistorische, biographische und geisteswissenschaftliche Zusammenhänge ermittelt.
Adelheid Lange – Die erste Studentin an der Bauschule der ETH
Als erste Architekturstudentin der ETH Zürich gilt Flora Steiger-Crawford, die 1923 als erste Frau ihr Diplom erhielt. Doch bereits 1899 hatte die US‑Amerikanerin Adelheid Lange Frauen den Weg zum Studium an der Bauschule geebnet.
Ein Blick in die Vergangenheit als Geschenk: Wie sah die Stadt Zürich eigentlich vor 200 Jahren aus?
Karten zeigen einzigartig auf, wie sich Städte und Orte im Laufe der Zeit vergrössert haben und gewachsen sind. Panoramen lassen hingegen einen Einblick zu, wie sich ein ganzes Stadtbild im Laufe der Jahre verändern kann. So ermöglicht uns ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk die Stadt Zürich zu erkunden, wie sie vor 200 Jahren ausgesehen hat.
Das Leben nach Theresienstadt: Emma und Martha Einhorns Geschichte
Der Verband Schweizerischer Jüdischer Fürsorgen (VSJF) richtete 1948 das Altersheim «Les Berges du Léman» in Vevey ein. Dort wohnten Jüdinnen und Juden, die nach dem Zweiten Weltkrieg ein Bleiberecht in der Schweiz erhalten hatten – so auch die Schwestern Emma und Martha Einhorn. 1945 aus dem Ghetto Theresienstadt in die Schweiz gerettet, lebten sie bis an ihr Lebensende im jüdischen Altersheim.
Architektonische Reimagination: Der Schweizer Pavillon an der Biennale von Venedig
In ihrem diesjährigen Beitrag für den Schweizer Pavillon an der Biennale von Venedig fragt das Architektinnen-Kollektiv Annexe: «Was wäre, wenn nicht Bruno Giacometti, sondern Lisbeth Sachs den Schweizer Pavillon entworfen hätte?». Die Überlagerung der bestehenden Pavillonarchitektur mit dem zeitgleich entstandenen Entwurf einer weiblichen Kollegin hinterfragt den Status quo und etabliert ein alternatives Narrativ.
Zum 150. Todestag: Der Kartograf Guillaume Henri Dufour
Vor ziemlich genau 150 Jahren, am 14. Juli 1875, verstarb Guillaume Henri Dufour. Der Kartograf und erster General des modernen schweizerischen Bundesstaats war massgeblich an der Vermessung der Schweiz beteiligt, zu den bekanntesten Werken gehört die sogenannte „Dufourkarte“. Doch sein Wirken als Kartograf blieb nicht auf dieses eine Werk begrenzt.