Wer mit offenen Augen durch Zürichs Gründerzeitviertel streift, entdeckt an den hier und da original erhaltenen Haustüren, Treppenhausfenstern und Wohnungstüren vielfach kleine, farbige Butzenscheiben zusammen mit anderen Glasarten in variantenreichen Bleiverglasungen. Im folgenden Beitrag geht es um dieses kleine, runde Detail und seine faszinierende, aber wenig bekannte Geschichte.
Geistes- und Sozialwissenschaften
Die Schweizer Bier-Idee – Eintauchen ins Archiv des Brauerei-Verbands
Wasser, Malz, Hopfen und Hefe – und eine volle «Maß» Schweizer Wirtschaftsgeschichte: Das historische Archiv des 1877 gegründeten Schweizer Brauerei-Verbands SBV umfasst Schrift- und Bildquellen von der Gründungszeit bis in die Gegenwart. Sie lassen tief in die Branchengeschichte blicken und dokumentieren den Weg vom kartellierten «Schweizer Bier» bis zur heutigen wettbewerbsorientierten Vielfalt mit unzähligen Kleinbrauereien und wenigen Grosskonzernen.
‹Schweizerische Grönlandexpedition› 1912/13. Zur Schweizer Erstkartografierung eines dänischen Kolonialraums
Im April 1912 brachen sieben Wissenschaftler unter der Leitung des Schweizer Forschers Alfred de Quervain (1879–1927) zur rund vierzehnmonatigen ‹Schweizerischen Grönlandexpedition› auf. Nach dem gescheiterten ersten Anlauf im Jahr 1909 sollte nun bei diesem zweiten Versuch die Erstüberquerung des Inlandeises bis zur Ostküste Grönlands und deren Erstkartografierung gelingen. Das Gebiet im Osten Grönlands heisst bis heute ‹Schweizerland›. Im Anschluss an diese Expedition im kolonialen Kontext erhielt de Quervain im Jahr 1915 eine Titularprofessur an der ETH Zürich.
«keine elitäre Literaturverfilmung» – Stefan Haupt im Interview
Mit seinem Film «Stiller», der im Herbst 2025 in die Kinos kam, brachte Stefan Haupt den weltberühmten Roman von Max Frisch erstmals auf die grosse Leinwand. Sieben Fragen an den Regisseur.
The Evidence for Easter – oder was man sonst so im Hochschularchiv findet
Im Hochschularchiv der ETH Zürich werden über fünfzehntausend Bestände von Privatpersonen mit ganz unterschiedlichem Inhalt aufbewahrt. Einer davon ist der Bestand Hs 1405, der Fremdmanuskripte umfasst, die von Carl Alfred Meier gesammelt wurden. C. A. Meier war ein Schweizer Psychiater und Psychologe sowie ein enger Freund von Carl Gustav Jung.
In diesem Bestand finden sich unter anderem zwei Manuskripte von Samuel MacLean Gilmour zum Osterglauben: „The Evidence for Easter” (Hs 1405:90) und „Theology and Psychology of the Easter Faith” (Hs 1405:91).
Die Villa Wesendonck – Ein architektonischer Knotenpunkt zwischen globalem Handelskapital, politischem Exil und der ETH-Geschichte
Betrachtet man das heutige Museum Rietberg im Zürcher Quartier Enge, so richtet sich der Blick meist auf die Sammlungen aussereuropäischer Kunst. Das Hauptgebäude jedoch, die Villa Wesendonck (Abb.1), repräsentiert eine andere, ähnlich globale Geschichte, die in den Handelsbeziehungen des europäischen Bürgertums verwurzelt ist.[1]
Die Urschweiz als Paradies: Wissenschaft, Glaube und koloniale Imagination bei Oswald Heer
Oswald Heer (1809–1883) war eine prägende und vielschichtige Person der wissenschaftlichen Landschaft Zürichs im 19. Jahrhundert. Heer war nicht nur Professor für Botanik und Entomologie am Eidgenössischen Polytechnikum – der heutigen ETH – und Direktor des Botanischen Gartens Zürich, sondern auch ausgebildeter reformierter Theologe.[1] In seiner Arbeit begegnen sich die Kanzel und das Labor nicht als Gegensätze, sondern als zwei Zugänge, die er parallel nutzt, um Welt und Natur zu verstehen. In seinem Hauptwerk Die Urwelt der Schweiz von 1865[2] interpretiert er die Vielfalt an fossilen Pflanzen, Tieren und Gesteinen als Ausdruck eines göttlichen Plans, der in der Naturgeschichte abgelesen werden kann.[3] Diese enge Verflechtung von Wissenschaft und christlichem Gottesbild prägen Heers Vision von einer warmen und ‹tropischen› Urwelt der Schweiz im Miozän, vor etwa 13 Millionen Jahren.
Entomologie im Dienst der kolonialen Plantagenwirtschaft
Im September 1929 brach der ETH-Doktorand Gustav Bünzli, der – wie sein Name vielleicht erahnen lässt – Schweizer war, auf eine Reise nach Suriname auf.[1] Damals war Suriname eine holländische Kolonie, die vor allem für den Kaffeeanbau ausgebeutet wurde.[2] Die für die Plantagenwirtschaft typische Monokultur hatte einen wesentlichen Nachteil: Sie litt unter einem Ameisenbefall, der in einer berüchtigten Pflanzenkrankheit namens Phloemnecrose resultierte, die von Pflanze zu Pflanze übertragen wurde.[3] Die Plage führte zu beachtlichen finanziellen Schäden für die Kolonialherrscher. Bünzlis Reise nach Suriname hatte den Zweck, eine taxonomische Klassifikation der lokalen Insekten durchzuführen sowie eine Empfehlung für die Ameisenbekämpfung zu erstellen.
Vernetzte Professoren: Was Provenienzerschliessung alles ans Licht bringen kann
Wem gehörte eine Karte oder ein Buch, bevor sie ihren Weg in den Bestand der ETH-Bibliothek fanden? Mit dieser Frage beschäftigen sich die Katalogisierenden der Gruppe Rara und Karte in der Provenienzerschliessung. Anhand von Stempeln, Exlibris und handschriftlichen Widmungen werden sowohl Vorbesitzer als auch buchhistorische, biographische und geisteswissenschaftliche Zusammenhänge ermittelt.
Vor 200 Jahren in der Gegend der Thur
Ab dem Jahr 1825 brachte der Toggenburger Künstler Johann Baptist Isenring sein Album «Thurgegenden» heraus – ein Werk, das uns heute mit erstaunlicher Detailtreue in die malerischen Landschaften an der Thur vor 200 Jahren zurückversetzt.