Erst im Juni 1874 entschied die Gletscherkommission im Einvernehmen mit dem Eidgenössischen Stabsbüro, dass während zwei Jahren eine genaue Vermessung, topographische Aufnahme und sonstige Beobachtungen an einem Gletscher, dem Rhonegletscher, stattfinden sollten. Das Projekt musste innerhalb weniger Tage aufgegleist werden, wenn man die schon angebrochene Sommersaison nicht verlieren wollte.
Gletscher
Anfänge der Glaziologie
In den 1860er-Jahren herrschte Aufbruchstimmung, die systematische Erforschung der Natur in der Schweiz begann. Dabei wurden Institutionen wie das Eidgenössische Topographische Bureau sowie die Geologische oder Meteorologische Kommission gegründet. 1869 initiierten der Schweizer Alpenclub und die Schweizerische Naturforschende Gesellschaft das Glaziologische Kollegium (ab 1893: Gletscherkommission), um die Gletscherforschung zu fördern. Unterstützt wurde das Kollegium vom Topographischen Bureau und von lokalen Forstdiensten.
Raus aus der Studierstube
Die Erforschung der Gletscher bedeutet keine Laborarbeit, sondern hartnäckige Auseinandersetzung mit den rauen Eismassen. Einer der ersten modernen Glaziologen war der Genfer Professor Horace Bénédict de Saussure (1740–1799). Er unternahm mehrere Forschungsreisen und publizierte seine Beobachtungen und Messungen im Werk „Voyages dans les Alpes“.
Die Entmythisierung der Gletscher
In der Volksliteratur sah man Gletscher als eine eigene, unberührte Welt innerhalb der Schweizer Alpen an. Sie wurde aus der Ferne beobachtet und gleichzeitig als ein fantastischer Ort gefürchtet, bewohnt von Feen, bösen Geistern und dem Teufel selbst. Naturwissenschaftlich und künstlerisch tätige Personen fingen allerdings an, den Mythos „Gletscher“ in Frage zu stellen und das weisse Gebiet zu bereisen.
Entgletscherung – Die Vermessung des Eises
Die Gletscher schmelzen. Und zwar schon lange. Wie sehr, das wird seit mehr als 150 Jahren akribisch vermessen.
Die neue Ausstellung im extract führt durch die lange Geschichte der Gletscherforschung – von alten Mythen über die ersten Messungen bis zur modernen Glaziologie an der ETH Zürich.
Forschen auf dem Eis: Messungen auf dem Aletschgletscher 1841
Im Sommer 1841 unternahm der Geologe Arnold Escher gleich zwei mehrwöchige Exkursionen hoch hinauf ins ewige Eis der Alpen. Es galt, die ersten Hypothesen der Gletscherkunde im Feld zu überprüfen. Die Forschung widmete sich in ihren Anfängen allen nur möglichen Fragen, unter anderem der unterschiedlich schnellen Bewegung der Eismasse, der Art des Fortschreitens oder dem Abschmelzen von Schnee und Eis auf dem Gletscher. Dazu sind interessante Versuche Eschers dank seiner Tagebücher überliefert.
Entdecken Sie die Welt des Alpinismus und der alpinen Forschung!
Das Hochschularchiv hat auch während der Pandemie wertvolle und spannende Neuzugänge zu verzeichnen. Besonders interessant ist dabei das historische Archiv der Schweizerischen Stiftung für Alpine Forschung (SSAF).
Gletscherschwund oder Gletscherwachstum? Arnold Eschers Exkursion zum Fieschergletscher 1841
Haushohe Eisblöcke, die Weiden und Scheunen zerstören und Kulturland bedecken, sind den Menschen im Wallis nach 1800 noch gegenwärtig. Die Anfänge der Glaziologie als Forschungsfeld zeichnen sich ab. Der Geologe Arnold Escher reist bereits 1841 zu mehreren Schweizer Gletschern und trägt mit eigenen Messungen und Beobachtungen zur damals neuen Gletschertheorie bei.
1841 aufs Matterhorn? Die Exkursionen von Arnold Escher in Zermatt
Uns allen ist das Jahr der Erstbesteigung des Matterhorns geläufig, denn ein veranstaltungsreiches Jubiläumsjahr geht zu Ende. Man schrieb das Jahr 1865, als der Berg bezwungen wurde. Gab es bereits 1841 einen Versuch, auf den Berg zu gelangen?
„Eine neue Aufgabe war vorgezeichnet, die mir persönlich weit besser behagte als die Sucharbeit nach Amundsen…“
In seinem Buch „Im Flugzeug dem Nordpol entgegen“ bringt Walter Mittelholzer die Motivation für seine diversen Flugabenteuer auf den Punkt: „Das Flugzeug im Dienste der Erforschung von unbekannten, schwer zugänglichen Gebieten! – Eine neue Ära der dankbaren Forschertätigkeit ist damit