In diesem Beitrag möchte ich die Forschungsreise der Schweizer in Beziehung zu kolonialen Aneignungen mithilfe des Elements Wasser setzen. In der Arktis führen die Verkehrswege über das Meer und durch die Fjorde. Einige der Routen führten 1912 zu Fangplätzen, die gerade dank Nährstoffeintrag von Gletscherabbruch und Fliesswasser genügend artenreich gewesen sein dürften, um für die Bewohner den Weg ins Jagdgebiet lohnenswert zu machen. Wie benutzten dagegen die Grönlandreisenden den Wasserraum und wie nahmen sie den Umgang der Inuit damit wahr? Am Ende eines solchen Fjordarms lag der von der Westgruppe untersuchte Ekip Sermia, auch Eqi-Gletscher genannt.
Es ist ein bemerkenswerter Glücksfall der Überlieferung, dass das Panorama des 1912 photogrammetrisch dokumentierten Gletschers in herausragender Fotoqualität rekonstruiert werden konnte. Doch in welchem Kontext entstand die Aufnahme?
HOCHSCHULARCHIV ETHZ
Raumplanung und Dichtestress anno 1945
Räumliche Verdichtung und Bevölkerungswachstum beschäftigen die Schweiz nicht erst seitdem die Schweizerische Volkspartei das Thema in ihrem Wahlkampf zum ständigen Politikum erheben und wirksam auszuschlachten versteht. Nein, die Angst vor zu vielen Menschen und zu vielen Häusern wohnt den Schweizerinnen und Schweizern spätestens seit der Industrialisierung und dem rasanten Städtewachstum des 19. Jahrhunderts inne. Besonders virulent wurde das Thema nach dem Zweiten Weltkrieg, als eine gefühlt ungebremste Bautätigkeit der Schweiz ihren Wiedererkennungswert zu nehmen drohte. Städteplaner und Geographen entwickelten Planungsinstrumente, um die Bodennutzung nach einheitlichen Kriterien zu organisieren. Der Schweizer Architekt Rolf Meyer-von Gonzenbach war einer der prägenden Figuren der schweizerischen Landesplanung der Nachkriegszeit.
Zwischen Gletscher und Glas: Die Fotodokumente der Schweizer Grönlandexpedition 1912/13
Vor der Unterkunft der Schweizerischen Grönlandexpedition in Sisimiut standen im Mai 1912 Blechbüchsen und Holzkisten. Ein Schneezipfel beherbergte die leeren Schlitten, die akurat aufgereiht genau wie die Skis an der Hauswand ihrer Verwendung entgegensahen. Es muss bald nach der Ankunft in Sisimiut gewesen sein, als die sieben Expeditionsteilnehmer an ersten Etappenzielen Touren absolviert und die allermeisten Instrumente erprobt hatten. Gewonnene Einsichten manifestierten sich, lange erhoffte Ereignisse warteten noch auf dem Weg der Ost- und der Westgruppe der Küste entlang nach Norden.
Mitgeführt wurden unter anderem Apparate und Behältnisse voller Negativmaterial für eine exklusive Fotodokumentation.
Wir möchten im Folgenden auf einige Kameraausrüstungen hinweisen und den Spielraum betrachten, der sich 1912 den Akteuren der Expedition in fotografischer Hinsicht bot.
‹Schweizerische Grönlandexpedition› 1912/13. Zur Schweizer Erstkartografierung eines dänischen Kolonialraums
Im April 1912 brachen sieben Wissenschaftler unter der Leitung des Schweizer Forschers Alfred de Quervain (1879–1927) zur rund vierzehnmonatigen ‹Schweizerischen Grönlandexpedition› auf. Nach dem gescheiterten ersten Anlauf im Jahr 1909 sollte nun bei diesem zweiten Versuch die Erstüberquerung des Inlandeises bis zur Ostküste Grönlands und deren Erstkartografierung gelingen. Das Gebiet im Osten Grönlands heisst bis heute ‹Schweizerland›. Im Anschluss an diese Expedition im kolonialen Kontext erhielt de Quervain im Jahr 1915 eine Titularprofessur an der ETH Zürich.
Der Landesstreik von 1918 und die ETH Zürich
Der Schweizer Landesstreik vom 12. bis 14. November 1918 markiert eine der tiefgreifendsten gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen in der Geschichte des Schweizerischen Bundesstaates. Auch damalige Mitarbeitende der ETH Zürich hatten daran teilgenommen.
Moderne Schädlingsbekämpfung und die vielen Gesichter des Multilateralismus: Vittorio Delucchis Leben im Übergang
Als der Entomologe Vittorio Delucchi im Januar 1968 die ETH betrat, war es eine Heimkehr; eine, für die man ihm einen roten Teppich bis nach Rom ausgerollt hatte. Der Tessiner widmete seine Forschungskarriere der Idee, Schädlinge mit anderen Schädlingen zu bekämpfen. Er war ein Pionier dieser Methode, die sich zur Zeit seines Wirkens als Alternative zur chemischen Schädlingsbekämpfung etablierte.[i] Delucchi war als Gründer des Instituts für Phytomedizin und langjähriger Professor eine wichtige Figur an der ETH. Seine frühe Karriere verbrachte er allerdings beim Commonwealth Institute of Biological Control (CIBC) und der Food and Agriculture Organisation (FAO) der UN. Auch darüber hinaus und danach bewegte er sich in einem sehr internationalen Umfeld. Delucchi war Mitgründer der International Organisation for Biological Control und arbeitete in zahlreichen Ländern, häufig in Nord- und Westafrika.[ii] In der entomologischen Sammlung der ETH liegt die unveröffentlichte Autobiografie des Insektenforschers. Sie erlaubt einen Rückblick auf eine ergiebige Wissenschaftskarriere, aber auch Einblicke in die Ambivalenz der Intervention von multilateralen Organisationen im Zeitalter der Dekolonisierung.
The Evidence for Easter – oder was man sonst so im Hochschularchiv findet
Im Hochschularchiv der ETH Zürich werden über fünfzehntausend Bestände von Privatpersonen mit ganz unterschiedlichem Inhalt aufbewahrt. Einer davon ist der Bestand Hs 1405, der Fremdmanuskripte umfasst, die von Carl Alfred Meier gesammelt wurden. C. A. Meier war ein Schweizer Psychiater und Psychologe sowie ein enger Freund von Carl Gustav Jung.
In diesem Bestand finden sich unter anderem zwei Manuskripte von Samuel MacLean Gilmour zum Osterglauben: „The Evidence for Easter” (Hs 1405:90) und „Theology and Psychology of the Easter Faith” (Hs 1405:91).
Der Nachlass eines ganz ordentlichen Nobelpreisträgers
Wer von Richard R. Ernsts feinsäuberlicher Schrift und seinen gut strukturierten Vorlesungen an der ETH Zürich gehört hat, dürfte nicht sonderlich davon überrascht sein, dass sich diese Ordnungsliebe auch durch die Verwaltung seiner persönlichen Unterlagen gezogen hat. Der ehemalige Professor für Physikalische Chemie der ETH Zürich hat sich insbesondere durch seine bahnbrechenden Entdeckungen in der Kernspinresonanzspektroskopie (NMR), welche heute noch die theoretischen Grundlagen der heutigen MRI-Technologie bilden, als Wissenschaftler einen Namen gemacht. Im Jahr 1991 wurde seine Anwendung der Fourier-Transformation, die eine bedeutend effizientere Bestimmung molekularer Strukturen ermöglichte, mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet.
«Heimat, die ihre Söhne nicht mehr kennt» – Arnold Heim zwischen Freiheitsdrang und Hochschulkarriere
Als Arnold Heim 1904 sein Studium der Geologie am Eidgenössischen Polytechnikum – der heutigen ETH Zürich – abschliesst, scheint sein akademischer Werdegang vorgegeben. Schliesslich sind sein Vater und sein Patenonkel die ersten Professoren auf dem Lehrstuhl für Geologie. Arnold promoviert erfolgreich an der Universität Zürich, habilitiert 1908 und wird Privatdozent an beiden Zürcher Hochschulen.
Puzzlen mit Phytoplankton
Manchmal täuscht die Grösse. Kieselalgen können ganz schön gross herauskommen. Wenn man nur brilliant genug mit ihnen umgeht. Dies ist die Geschichte von ausserordentlicher Kunstfertigkeit, vom systematischen Sammeln kleinster Mikroskopier-Proben und von einem der begabtesten Pioniere und seiner Vernetzung in Sammlerkreise und Institute von Hochschulen.