Im Juli 1975 organisierte der im selben Jahr gegründete Oldtimer-Club Ostschweiz (OCO) in Weinfelden eine Gedenkfahrt zu Ehren des Ingenieurs und Aerodynamikpioniers Paul Jaray. 50 Fahrzeuge der Jahrgänge 1905 bis 1940 mit ca. 100 Personen nahmen an der Fahrt teil, die in 40 Kilometern durch den Kanton Thurgau führte. Im September 1974 war Paul Jaray in St. Gallen verstorben. Seit 1923 hatte der in Wien geborene Maschinenbauer in der Schweiz gelebt und sich über Jahrzehnte mit der perfekten Stromlinienform der Automobilkarosserie beschäftigt. Unter den Gästen der Gedenkfahrt befanden sich auch prominente Vertreter der ETH wie der Ingenieur und Professor für Werkstoffkunde Eduard Amstutz sowie der ehemalige Direktor der ETH-Bibliothek Jean-Pierre Sydler.
Manilahanf in der Hochschullehre der ETH Zürich
Der Manilahanf, auch bekannt als Abacá oder wissenschaftlich Musa textilis, blickt auf eine lange Geschichte in der Hochschullehre der ETH Zürich zurück.
Die Fotografie als Vermessungswerkzeug von Glaziolog:innen
Seit den 1880er-Jahren wurde die terrestrische Fotogrammetrie zunehmend zur topografischen Vermessung von Gletschern eingesetzt, insbesondere am Rhonegletscher. Um vergleichbare Ergebnisse zu erzielen, mussten die Aufnahmen regelmässig vom exakt gleichen Standort aus und zur gleichen Jahreszeit erfolgen. Der Silbergelatine-Abzug einer fotogrammetrischen Aufnahme des Rhonegletschers wurde mit rund 200 Messpunkten versehen. Anhand dieser Referenzpunkte konnten Lage und Veränderung der Gletscheroberfläche präzise bestimmt werden.
Butzenscheiben – Von den klaren «venedisch schewen» zum farbenfrohen Jugendstil-Ornament
Wer mit offenen Augen durch Zürichs Gründerzeitviertel streift, entdeckt an den hier und da original erhaltenen Haustüren, Treppenhausfenstern und Wohnungstüren vielfach kleine, farbige Butzenscheiben zusammen mit anderen Glasarten in variantenreichen Bleiverglasungen. Im folgenden Beitrag geht es um dieses kleine, runde Detail und seine faszinierende, aber wenig bekannte Geschichte.
Schweizer Grönlandexpedition 1912: Gletscherpanorama am Eqi und Rückreise der Westgruppe
In diesem Beitrag möchte ich die Forschungsreise der Schweizer in Beziehung zu kolonialen Aneignungen mithilfe des Elements Wasser setzen. In der Arktis führen die Verkehrswege über das Meer und durch die Fjorde. Einige der Routen führten 1912 zu Fangplätzen, die gerade dank Nährstoffeintrag von Gletscherabbruch und Fliesswasser genügend artenreich gewesen sein dürften, um für die Bewohner den Weg ins Jagdgebiet lohnenswert zu machen. Wie benutzten dagegen die Grönlandreisenden den Wasserraum und wie nahmen sie den Umgang der Inuit damit wahr? Am Ende eines solchen Fjordarms lag der von der Westgruppe untersuchte Ekip Sermia, auch Eqi-Gletscher genannt.
Es ist ein bemerkenswerter Glücksfall der Überlieferung, dass das Panorama des 1912 photogrammetrisch dokumentierten Gletschers in herausragender Fotoqualität rekonstruiert werden konnte. Doch in welchem Kontext entstand die Aufnahme?
Von «Flysch» und Falten: Bernhard Studer und die Geologie der Alpen
Wer einen Blick auf frühe geologische Karten der Schweiz wirft, blickt damit auch auf die Geburtsstunde der modernen Alpengeologie. Ein interessantes Werk ist dabei die geologische Karte der Stockhornkette von 1827, erstellt vom Berner Geologen Bernhard Studer. Dieser bereicherte die wachsende geologische Terminologie auch gleich noch mit Simmentaler Dialekt.
Fremdplatzierungen und Zwangsmassnahmen – Oral History zwischen Selbstbestimmung, Schweigen und Aufarbeitung
Was leisten Archive für eine demokratische Gesellschaft? Wie tragen sie zu gerechteren Gesellschaften bei? Und wann können Archive Unrecht anrichten?
Margarete von Üxküll-Gyllenband: Eine frühe Wissenschaftlerin zwischen der ETH und Niederländisch-Indien
Der Herbarbeleg der Pflanze Hevea brasiliensis, besser bekannt als Kautschukbaum, gelangte durch Margarete von Uexküll-Gyllenband, eine der ersten Botanikstudentinnen in Zürich, ins Botanische Museum der ETH. Sie sammelte ihn während einer von ihrem Professor Carl Schröter und durch Schweizer Stipendien geförderten Forschungsreise nach Niederländisch-Indien, heute Indonesien. Doch wie kam es, dass eine Frau in den Anfängen des 20. Jahrhunderts aus dem damaligen Zarenreich Russland durch die Unterstützung von Schweizer Universitäten in eine niederländische Kolonie reisen konnte, um Forschung zu betreiben?
Das Kräuterbuch des Hieronymus Bock
Der leidenschaftliche Pflanzenforscher Hieronymus Bock hinterliess mit seinem Kräuterbuch eines der bedeutendsten botanischen Werke der Renaissance. Er gilt damit als einer der «Väter der Botanik».
Raumplanung und Dichtestress anno 1945
Räumliche Verdichtung und Bevölkerungswachstum beschäftigen die Schweiz nicht erst seitdem die Schweizerische Volkspartei das Thema in ihrem Wahlkampf zum ständigen Politikum erheben und wirksam auszuschlachten versteht. Nein, die Angst vor zu vielen Menschen und zu vielen Häusern wohnt den Schweizerinnen und Schweizern spätestens seit der Industrialisierung und dem rasanten Städtewachstum des 19. Jahrhunderts inne. Besonders virulent wurde das Thema nach dem Zweiten Weltkrieg, als eine gefühlt ungebremste Bautätigkeit der Schweiz ihren Wiedererkennungswert zu nehmen drohte. Städteplaner und Geographen entwickelten Planungsinstrumente, um die Bodennutzung nach einheitlichen Kriterien zu organisieren. Der Schweizer Architekt Rolf Meyer-von Gonzenbach war einer der prägenden Figuren der schweizerischen Landesplanung der Nachkriegszeit.