Explosion in 13’000 Fuss Höhe

Explosion in 13’000 Fuss Höhe

John Wise (1808–1879) begeisterte sich seit seiner frühen Jugend für die Ballonfahrt. Nach einer Ausbildung zum Tischler begann er im Alter von 27 Jahren mit dem Ballonbau. Er entwickelte und testete zahlreiche Techniken unter anderem zur Sicherheit der Ballonfahrt. Sein 1850 erschienenes Werk A System of Aeronautics enthält neben einer Geschichte der Ballonfahrt (daraus die Titelillustration: Luftschiff nach Francesco Lana Terzi, 17. Jahrhundert) auch eine Darstellung seiner eigenen Erfahrungen sowie Anleitungen zum Bau solcher Geräte.

Im Vorwort lässt sich erahnen, welche Bedeutung Wise der Ballonfahrt zumass, wenn er sie mit der Eisenbahn und der Dampfschifffahrt gleichsetzt:

[…] the genius of our favorably gifted country, which must inevitably place aerial transition as far before railroad and steamboat transition, as the latter are before the old-fashioned sail and horse-power modes […]

Vorwort, Seite vii

Die Stichwortsuche nach dem Begriff «rail» im Volltext* des digitalisierten Buchs führt hier zu einem interessanten Ergebnis: Fünfmal (bei vierzehn Treffern) erscheint der Begriff (jeweils im Wort «railroad») im Zusammenhang mit der Orientierung während eines Ballonflugs. Dies verdeutlicht wie prägend die Eisenbahn in der Zeit für die Landschaft war und unterstreicht damit die Bedeutung des obigen Zitats.

Eine Herausforderung, die sich Wise stellte, bestand in der Aufbewahrung seiner Ballone. Um die Geschmeidigkeit der aus Baumwolle gefertigten Haut zu gewähren wurde das leicht entzündliche Leinöl verwendet, was 1838 in Easton (Pennsylvania) zu einem Brand und Verlust des Ballons führte. Die in der Folge entwickelte Version des Ballons stattete Wise mit einer neuen Technik aus: Im Falle einer Explosion des Ballons sollte dieser als Fallschirm eine sichere Landung ermöglichen. Weil er mit vergleichbaren Ideen jeweils auf grosse Skepsis stiess, entschloss sich Wise, seine Entwicklung zunächst geheim zu halten und erst bei einem Flug in Easton zu demonstrieren.

Abbildung 1: Porträt von John Wise
Explosion of balloons at great hights
Abbildung 2: Textausschnitt auf Seite 190

Passend zu seinem Vorhaben zog am 11. August 1838, dem Tag der Demonstration, in Easton ein Gewitter auf und Wise startete, so seine Darstellung, direkt in die dickste Gewitterwolke.

[…] and as the balloon approached a dense body of black thunder clouds, some vivid flashes of lightning, accompanied by violent peals of thunder, greeted my upward passage. This gave the first part of my voyage a terrific, but grand and imposing appearance […] At this critical moment I became somewhat excited, and as I looked over the side of my car, I observed the sparkling coruscations of lightning springing from cloud to cloud a mile beneath me, as the thunder storm was passing its last remnants below.

Seiten 191-192

Abbildung 3 illustriert den kontrollierten Absturz aus einer Höhe von 13’000 Fuss (rund 4’000 Meter).

Das Prinzip bestand darin, dass sich nach einer (mehr oder weniger kontrollierten) Explosion die untere Hälfte des Ballons in die obere legte und so ein Fallschirm entstand. Bei einem weiteren Versuch in Philadelphia im Oktober 1838 klappte sich ein Teil des Ballons nicht wie vorgesehen hoch, was in Abbildung 4 illustriert ist. Dennoch gelang Wise auch hier die Landung, die er unbeschadet überstand.

Neben technischen und aerodynamischen Problemen beschreibt Wise in Part III. seines Werks auch die Herstellung von Wasserstoff für die Befüllung seiner Ballone. Abbildung 5 illustriert diesen Prozess.

Abbildung 5: Befüllung eines Ballons mit Wasserstoff

Quelle

John Wise: A System of Aeronautics. Comprehending its Earliest Investigations, and Modern Practice and Art. Designed as a History for the Common Reader, and Guide to the Student of the Art. Philadelphia, 1850. ETH-Bibliothek Zürich, Rar 10629, https://doi.org/10.3931/e-rara-89895 / Public Domain Mark


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