Ein neuer Stern am Himmel – oder nicht?

Heute feiern wir Dreikönigsfest, oder genauer das Epiphaniasfest (das «Fest der Erscheinung des Herrn»). Der Überlieferung nach folgten drei Weisen einem aufgegangenen, neuen Stern – dem «Stern von Bethlehem» – und erreichten am 6. Januar den Geburtsort Jesu. So bekannt die Überlieferung, so uneindeutig sind bis heute die astronomischen Erklärungsversuche zum Auftauchen und Verbleib des «Sterns», auch wenn sich bekannte Astronomen wie Johannes Kepler daran versucht haben.

Es existieren verschiedene Theorien, welche den «Stern von Bethlehem» zu erklären versuchen. Da ist die Rede von unbekannten oder bekannteren Kometen (wie dem Halleyschen Kometen), von einer heute nicht mehr sicht- bzw. nachweisbaren Supernova bis hin zu speziellen Sternen- bzw. Planetenkonjunktionen. Im Verlaufe der Jahrhunderte wurden also verschiedene Erklärungsansätze beigezogen. Ohne an dieser Stelle ins Detail zu gehen: Alle haben eine gewisse Berechtigung, aber (noch) keine vermag das Phänomen schlüssig und/oder zeitlich passend zu erklären.

Der deutsche Astronom und Mathematiker Johannes Kepler (1571-1630) widmete sich in seiner Arbeit auch den Planetenkonjunktionen wie auch neuen Sternen, und kannte auch die Arbeiten und Berechnungen früherer Astronomen wie beispielsweise Tycho Brahe, dessen Assistent und Nachfolger als kaiserlicher Hofastronom in Prag er war. Als im Jahr 1604 die Grosse Konjunktion von Jupiter, Saturn und zusätzlich noch dem Mars mit der Supernova SN1604 zusammenfiel, wurde dies von den zeitgenössischen Astronomen mit grossem Interesse verfolgt und analysiert.

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Abb. 1: Kepplers „Stella nova“ auf einer Sternenkarte im Sternbild „Schlagenträger“

Kepler publizierte darauf im Jahr 1606 sein Werk De stella nova, worin er sich ausführlich dem neuen Stern widmet und ihn im Fuss des Sternbilds «Schlangenträger» abbildet. Basierend auf dieser Publikation wurde die Supernova dann auch nach Kepler benannt, obwohl sie eigentlich von anderen Forschenden schon früher entdeckt worden war.

Den Bezug zum «Stern von Bethlehem» wird nun dadurch hergestellt, dass Kepler eingebunden zu eben diesem Werk De stella nova unter dem Titel «De Iesu Christi servatoris nostri vero anno natalitio» das wahre Geburtsjahr Jesu neu berechnete und so auch den «Stern von Bethlehem» mit einer ähnlichen Planetenkonstellation wie 1604, nämlich im Jahre 7 v. Chr. in Verbindung brachte. Dieser Bezug gilt als der Ursprung der neuzeitlichen Diskussion um den Stern von Bethlehem.

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Abb. 2: Titelblatt zu „De Iesu Christi servatoris nostri vero anno natalitio“

Es bleibt aber bis heute unklar, ob Keplers aufgezeigte Verbindung hinreichend das Phänomen «Stern von Bethlehem» erklärt, da Planetenkonjunktionen eigentlich nicht die Strahlkraft eines Kometen oder einer Supernova entwickeln, oder ob nicht eher ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren (astronomischen und nicht-astronomischen) der Überlieferung zu ihrer Bedeutung verholfen habe.

Die «grösste Detektivgeschichte aller Zeiten» (Original: «greatest of all detective stories». Kidger 1999, S. xi) wird wohl noch länger nicht restlos aufgeklärt bleiben, am spannenden Blick in die Sterne und dem Dreikönigskuchen dürfen wir uns weiterhin erfreuen.

Literatur / Verweise

  • Kepler, Johannes: Joannis Keppleri … De stella nova in pede serpentarii et qui sub ejus exortum de novo iniit trigono igneo: libellus astronomicis, physicis, metaphysicis, meteorologicis & Astrologicis disputationibus endoxois & paradoxois plenus [- altera pars]. Pragae: ex officina calcographica Pauli Sessii, 1606. https://doi.org/10.3931/e-rara-1752
  • Burke‐Gaffney, W: Kepler and the Star of Bethlehem. Journal Royal Astronomical Society of Canada, Vol. 31 (1937): S. 417–425.
  • Kidger, Mark. The Star of Bethlehem. Princeton, NJ: Princeton University Press, 2017. https://doi.org/10.1515/9781400887545
  • Roth, Hans: Gibt es eine naturwissenschaftliche Erklärung für den Stern von Bethlehem? Könnte man damit die Geburt Christi genau datieren? : Der Stern von Bethlehem : ein Mythos. Schweizerische Astronomische Gesellschaft, Band 66 (2008), S. 32-34. https://dx.doi.org/10.5169/seals-897873
  • Himmlische Karten. Der spannende Blick in die Sterne. Virtuelle Ausstellung, https://www.exhibit.so/exhibits/wIxnSxUuVghv4xVGyspv (05.01.2023)

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