Erst im Juni 1874 entschied die Gletscherkommission im Einvernehmen mit dem Eidgenössischen Stabsbüro, dass während zwei Jahren eine genaue Vermessung, topographische Aufnahme und sonstige Beobachtungen an einem Gletscher, dem Rhonegletscher, stattfinden sollten. Das Projekt musste innerhalb weniger Tage aufgegleist werden, wenn man die schon angebrochene Sommersaison nicht verlieren wollte.
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Anfänge der Glaziologie
In den 1860er-Jahren herrschte Aufbruchstimmung, die systematische Erforschung der Natur in der Schweiz begann. Dabei wurden Institutionen wie das Eidgenössische Topographische Bureau sowie die Geologische oder Meteorologische Kommission gegründet. 1869 initiierten der Schweizer Alpenclub und die Schweizerische Naturforschende Gesellschaft das Glaziologische Kollegium (ab 1893: Gletscherkommission), um die Gletscherforschung zu fördern. Unterstützt wurde das Kollegium vom Topographischen Bureau und von lokalen Forstdiensten.
Frühe Theorien und Durchbruch der Glaziologie
Auch die Schweizer Forschertriade Ignaz Venetz (1788–1859), Jean de Charpentier (1786–1858) und Louis Agassiz (1807–1873) vertiefte den glaziologischen Diskurs zunächst um die Frage nach der Eiszeit. Ignaz Venetz begründete die Idee einer Eiszeit, welche später durch Jean de Charpentier und Louis Agassiz in der Wissenschaft … Weiterlesen …
Raus aus der Studierstube
Die Erforschung der Gletscher bedeutet keine Laborarbeit, sondern hartnäckige Auseinandersetzung mit den rauen Eismassen. Einer der ersten modernen Glaziologen war der Genfer Professor Horace Bénédict de Saussure (1740–1799). Er unternahm mehrere Forschungsreisen und publizierte seine Beobachtungen und Messungen im Werk „Voyages dans les Alpes“.
Die Entmythisierung der Gletscher
In der Volksliteratur sah man Gletscher als eine eigene, unberührte Welt innerhalb der Schweizer Alpen an. Sie wurde aus der Ferne beobachtet und gleichzeitig als ein fantastischer Ort gefürchtet, bewohnt von Feen, bösen Geistern und dem Teufel selbst. Naturwissenschaftlich und künstlerisch tätige Personen fingen allerdings an, den Mythos „Gletscher“ in Frage zu stellen und das weisse Gebiet zu bereisen.
Messmethoden der Glaziologie: Niederschlagsmesser
In unserer neuen Ausstellung „Entgletscherung – Die Vermessung des Eises“, die Sie im Hauptgebäude der ETH Zürich, im extract, besuchen können, beschäftigen wir uns in fünf Kapiteln mit der Geschichte der Glaziologie an der ETH Zürich. Gletscherforscher:innen vermessen die Schweizer Gletscher seit mehr als 150 Jahren systematisch. Die eindrucksvolle Zeitreise umfasst eine Reihe von Themen, darunter die abenteuerlichen Alpenexpeditionen und frühen Eiszeit-Theorien. Darüber hinaus werden auch historische und modernste Vermessungsmethoden und Fragen zur Zukunft behandelt.
Entgletscherung – Die Vermessung des Eises
Die Gletscher schmelzen. Und zwar schon lange. Wie sehr, das wird seit mehr als 150 Jahren akribisch vermessen.
Die neue Ausstellung im extract führt durch die lange Geschichte der Gletscherforschung – von alten Mythen über die ersten Messungen bis zur modernen Glaziologie an der ETH Zürich.