Moderne Schädlingsbekämpfung und die vielen Gesichter des Multilateralismus: Vittorio Delucchis Leben im Übergang

Als der Entomologe Vittorio Delucchi im Januar 1968 die ETH betrat, war es eine Heimkehr; eine, für die man ihm einen roten Teppich bis nach Rom ausgerollt hatte. Der Tessiner widmete seine Forschungskarriere der Idee, Schädlinge mit anderen Schädlingen zu bekämpfen. Er war ein Pionier dieser Methode, die sich zur Zeit seines Wirkens als Alternative zur chemischen Schädlingsbekämpfung etablierte.[i] Delucchi war als Gründer des Instituts für Phytomedizin und langjähriger Professor eine wichtige Figur an der ETH. Seine frühe Karriere verbrachte er allerdings beim Commonwealth Institute of Biological Control (CIBC) und der Food and Agriculture Organisation (FAO) der UN. Auch darüber hinaus und danach bewegte er sich in einem sehr internationalen Umfeld. Delucchi war Mitgründer der International Organisation for Biological Control und arbeitete in zahlreichen Ländern, häufig in Nord- und Westafrika.[ii] In der entomologischen Sammlung der ETH liegt die unveröffentlichte Autobiografie des Insektenforschers. Sie erlaubt einen Rückblick auf eine ergiebige Wissenschaftskarriere, aber auch Einblicke in die Ambivalenz der Intervention von multilateralen Organisationen im Zeitalter der Dekolonisierung.

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