Die Uhr des Landmanns

Im Frankreich der Revolutionszeit, genauer im Jahr 1791, erschien ein kleines aber nicht unbedeutendes astronomisches Werk, welches die Bestimmung der Zeit anhand des Sternenhimmels zum Inhalt hat.

« L’Horloge du Laboureur, ou méthode très-facile de connoître l’heure de la nuit à l’aspect des étoiles » https://doi.org/10.3931/e-rara-153879 Verfasser des Büchleins soll ein gewisser C. Taillardat gewesen sein, wobei das «C» nicht für die Initiale des Vornamens sondern, gemäss der Gewohnheit während der Revolutionsjahre, möglicherweise für «Citoyen» steht. Diese Anonymisierung sollte dem Schutz vor staatlicher Zensur und Strafverfolgung dienen. Inhaltlich handelt es sich nicht um eine astronomische Abhandlung im modernen Sinn, sondern um eine praktische Anleitung, mit blossem Auge und anhand von Sternkarten nachts die Uhrzeit abzuschätzen. Es stellt gewissermassen ein Gebrauchsbuch dar. Dies bedeutet, dass der kleine Text, ganz im Geist der Revolution, nicht für die akademische Astronomie gedacht war, sondern als populärwissenschaftliche Schrift für die Bevölkerung und insbesondere für die Bauern.

             Abb. 1     

Der Autor geht von einer sehr einfachen Situation aus: Man befindet sich nachts ohne Uhr auf einer Wiese, bei sternenklarem Himmel. Bestimmte Sterne und Sternbilder verändern ihre Stellung im Laufe der Nacht, weil sich die Erde dreht. Wenn man das Datum, die Stellung der Sterne oder Sternbilder und den eigenen Standort kennt, so kann man daraus die Nachtstunde bestimmen. Diese Methode stellte demnach eine Art natürliche Uhr für den Bauern dar, da er keinerlei mechanische Werkzeuge dazu benötigte. Das Frontispiz zeigt denn auch zwei Bauern, die gemeinsam den Nachthimmel beobachten.

Abb. 2

Die zwei ausklappbaren Himmelskarten sind Beilagen, welche nicht in den Buchblock integriert sind. Oftmals gingen solche Beilagen verloren, wir haben das Glück, dass sie in unserem Exemplar vorhanden sind. Die Karten dienen dazu, die tatsächliche Stellung der Sterne mit der Darstellung zu vergleichen. Gedruckt wurde die Broschüre bei Pellier in Paris, bemerkenswert ist die Widmung an «M. Gérard, laboureur, député à l’Assemblée Nationale». Michel Gérard war einer der wenigen bäuerlichen Abgeordneten der 1789 gegründeten Generalstände und späteren Nationalversammlung.

 Abb.3

Literatur: L’horloge du laboureur, ou méthode très-facile de connoître l’heure de la nuit à l’aspect des étoiles, Pellier, Paris, 1791, Rar 11023

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