Die Hitzewelle und Dürre von 1976

Im Sommer 1976 erlebte die Schweiz, insbesondere die Kantone GE, VD, TI und GR, und grosse Teile Europas die bis damals wohl längste Hitzewelle. Es wurde an 17 Tagen in Folge der Wert von 30 Grad erreicht oder übertroffen. Vom 21. Juni bis 7. Juli 1976 reihte sich Hitzetag an Hitzetag.

Dürreperioden im historischen Vergleich

Hitzewellen und damit einhergehende Dürren sind in der Schweiz in den vergangenen 500 Jahren immer wieder aufgetreten. Das Historische Lexikon der Schweiz schreibt dazu im Artikel „Dürreperioden“ folgendes: „Als herausragendste Dürrejahre hat die klimahistorische Forschung das ‚Sonnenjahr‘ 1540 und die Hitzewelle im Sommer 1616 identifiziert. 1540 fiel im Mittelland zwischen März und September nur gerade an sechs Halbtagen Regen. In den letzten 100 Jahren traten intensive Sommerdürren 1893, 1904, 1911, 1921, 1934, 1945, 1947, 1949, 1950, 1952, 1959, 1976, 1983 und 2003 auf. Die grössten Schäden entstanden im Frühjahr 1843, im sogenannten Jahrhundertsommer 1947 sowie 1949 und 1976. Am stärksten betroffen war gewöhnlich das ohnehin relativ niederschlagsarme tiefere Mittelland. Die reiche topografische Gliederung der Schweiz bewirkt aber, dass schwere Dürren nie landesweit auftreten. Dies ermöglicht Ausgleichsprozesse mit dem in Trockenzeiten in der Regel privilegierten Berggebiet sowie mit dem nahen Ausland. Zudem wird durch die verstärkte Schnee- und Gletscherschmelze in den Alpen zusätzliches Wasser verfügbar. Dennoch mussten 1947, 1949 und 1976 nach grossen Ausfällen bei der Heu- und Getreideernte Bund und Kantone Hilfsprogramme für besonders betroffene Bauernbetriebe durchführen. 1947 wurde der Einkommensverlust für den Bauernstand auf 700 bis 1’100 Mio. Fr. geschätzt (Preisstand 1991). Der Wassermangel führte zudem regional zu Schwierigkeiten in der Trinkwasserversorgung und in der Elektrizitätswirtschaft.“

Comet Photo AG: Dürre und Fischesterben in der Töss, 1976 (Com_LC0816-001-003, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000968617)

Solar-terrestrische Beziehungen

Die Schweizerische Meteorologische Zentralanstalt (heute: Bundesamt für Meteorolgie und Klimatologie, MeteoSchweiz) schrieb in ihrem Bericht zum Frühjahr 1976 folgendes Résumé: „Der Frühling 1976 brachte der Schweiz ein sehr grosses Wasserdefizit. Nach der Analyse der Witterungsverhältnisse von Dezember 1975 bis Oktober 1976 wenden sich die Verfasser dem Studium der Auswirkungen der Trockenheit auf verschiedene Lebensbereiche, insbesondere die Landwirtschaft und das Forstwesen, zu. Diese Untersuchung wird durch einige Tabellen und zahlreiche Karten vervollständigt.“

„Die Trockenheit des Jahres 1976, von der ganz West- und Mitteleuropa sowie Südskandinavien betroffen wurde, dauerte in der Schweiz von Dezember 1975 bis Mitte Juli 1976. In England war es eine Rekordtrockenheit seit Jahrhunderten. In der Schweiz waren die Niederschlagsmengen von Dezember 1975 bis Juni 1976 gegenüber dem langjährigen Mittel wesentlich unternormal. In dieser Zeit betrug die Niederschlagsmenge im Durchschnitt der Schweiz nur 51 % der Norm bezw. es bestand ein Niederschlagsdefizit vom 49 %. Dies entspricht einem Wassermanko von 319 Litern pro Quadratmeter im Landesmittel bzw. von rund 13 Milliarden Kubimetern Wasser für die ganze Schweiz.“

Comet Photo AG: Dürre, 1976 (Com_LC0816-001-004, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000968620)
Comet Photo AG: Dürre, 1976 (Com_LC0816-001-004, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000968620)

Der Bericht bringt zum Ausdruck, dass die Sonnenfleckentätigkeit einen Einfluss auf die irdische Witterung haben könne. Vor allem F. Baur vertrat die Auffassung, dass es eine Beziehung zwischen Sonnenfleckenzyklus und Witterung gibt, und durch die Auffindung vieler signifikanter Korrelationen zwischen Sonnenfleckenzyklus und Witterung in mehreren Gebieten der Erde den statistischen Nachweis eines solchen Zusammenhangs erbrachte. Dieser Zusammenhang ist nicht einfacher Natur: Der 11-jährigen Sonnenfleckenperiode ist keine 11-jährige Periode der atmosphärischen Zirkulation bzw. der Witterung zugeordnet. Baur sagt dazu Folgendes: „Im Grosswetter der gemässigten Zone ist die 11-jährige Sonnenfleckenperiode als einfache Welle nicht enthalten, das Grosswetter steht vielmehr mit dem Sonnenfleckenzyklus in der Weise in Zusammenhang, dass in bestimmten Abschnitten des Sonnenfleckenzyklus bestimmte Formen der allgemeinen atmosphärischen Zirkulation und des Grosswetters besonders häufig auftreten“. Baur hat es nicht bei statistischen Nachweisen bewenden lassen, sondern auch physikalische Vorstellungen über die Wirkung von Schwankungen der solaren Aktivität auf die allgemeine Zirkulation bzw. die Witterung entwickelt. Trotzdem muss man sagen, dass eine wissenschaftliche Basis für solar-terrestrische Beziehungen nur durch die Statistik geliefert worden ist, während die physikalische Erklärung bis heute [1977] auf dem Niveau von Hypothesen steht.

Comet Photo AG: Dürre, 1976 (Com_LC0816-001-002, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000968614)
Comet Photo AG: Dürre, 1976 (Com_LC0816-001-002, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000968614)

Dürreschäden in der Landwirtschaft

Auch im Fernsehen SRF werden die „Dürreschäden: Schweiz: Ernte-Erträge nach Dürre-Sommer“ in der Sendung „Bericht vor 8“ vom 1. September 1976 thematisiert:

  • Beim Getreide war die Quantität gut, die Qualität jedoch unbefriedigend. Es wurde von einem Verlust von 15 % ausgegangen. Ein Drittel der Ernte war für die Brotherstellung unbrauchbar, weshalb Getreide auf dem Weltmarkt dazugekauft wurde.
  • Sowohl die Menge als auch die Qualität der Kartoffeln waren befriedigend. Es wurde jedoch auch mit einem Verlust von 13 % gerechnet. Die Kartoffeln waren kleiner, aber 10 % konnten dennoch exportiert werden.
  • Die Quantität des Heus war unbefriedigend, die Qualität jedoch gut. Der Ertrag lag bei 15 bis 20 % unter dem üblichen Niveau. In der Folge haben einige Bauern und Bäuerinnen mehr Kühe als geplant geschlachtet.
Comet Photo AG: Dürre, 1976 (Com_LC0816-001-007, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000968619)

Titelbild

Comet Photo AG: Bwässerung von Feldern durch die Feuerwehr bei Regensdorf, Blick nach Nordwest (NW), 1976 (Com_LC0816-001-037, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000071634).
Das Wasser für diese Feuerwehrübung wird wohl aus dem nahegelegenen Oberen Katzensee gepumpt. Links oben am Horizont: Regensberg.

Quellen

  • Schweizerische Meteorologische Zentralanstalt: Die Dürre 1976 und ihre Auswirkungen. La sécheresse de 1976 et ses conséquences. Bericht 1977 (PDF).
  • SRF: Dürreschäden: Schweiz: Ernte-Erträge nach Dürre-Sommer, 1.9.1976 (13 Min.)
  • Michael Schorer: Dürreperioden, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version von 2002 (Artikel aus der HLS-Druckversion, bearbeitet am 11.06.2012)

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