Die Fotografie als Vermessungswerkzeug von Glaziolog:innen

Seit den 1880er-Jahren wurde die terrestrische Fotogrammetrie zunehmend zur topografischen Vermessung von Gletschern eingesetzt, insbesondere am Rhonegletscher. Um vergleichbare Ergebnisse zu erzielen, mussten die Aufnahmen regelmässig vom exakt gleichen Standort aus und zur gleichen Jahreszeit erfolgen. Der Silbergelatine-Abzug einer fotogrammetrischen Aufnahme des Rhonegletschers wurde mit rund 200 Messpunkten versehen. Anhand dieser Referenzpunkte konnten Lage und Veränderung der Gletscheroberfläche präzise bestimmt werden.

Auch heute wird die Fotogrammetrie als Messmethode eingesetzt, allerdings meist mit digitalen Luft- und Drohnenbildern. Die Auswertung erfolgt nicht mehr manuell, sondern computergestützt. Während früher rund 200 Messpunkte händisch bestimmt wurden, können heute automatische Verfahren bis zu 40’000 oder mehr Punkte auswerten. Aus diesen Berechnungen entstehen präzise dreidimensionale Modelle, mit denen Veränderungen von Oberfläche, Volumen und Bewegung eines Gletschers untersucht werden können.
Mit Markierungen versehener Silbergelatine-Abzug einer fotogrammetrischen Aufnahme des Rhonegletschers, 02.09.1917, Silbergelatine-Abzug, 13 x 18 cm,  ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv, Archiv der Glaziologischen Kommission, Hs_1458-GK-B001-1917-0009

Im Bildarchiv der ETH-Bibliothek sind aus diesen frühen Jahren Fotografien vorhanden, die Teil der grossen Bildersammlung der ehemaligen Glaziologischen Kommission sind. Der ganze Bildbestand der Glaziologische Kommission der SANW ist digitalisiert und findet sich frei zugänglich hier.

Ein Beispiel präsentieren wir heute im Blog. Die Fotografie ist Teil Kapitels „Anfänge der Glaziologie“ der Ausstellung „Entgletscherung – Die Vermessung des Eises“ im extract. In der Ausstellung, die noch bis diesen Sonntag, 12. Juli 2026 läuft, sind überwiegend Reproduktionen zu sehen. Am Sonntag wird es nochmals die Gelegenheit in focusTerra geben, ein Gletscherbeben zu erleben. Die Beben finden von 11 bis 12 Uhr und von 13 bis 14 Uhr statt. Von 12 bis 15 Uhr findet ausserdem das letzte „Fenster in die Forschung“ statt. Glaziolog:innen der ETH Zürich gewähren Einblicke in ihre Forschung und stehen in der Ausstellung für Fragen und Gespräche zur Verfügung.

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