Der leidenschaftliche Pflanzenforscher Hieronymus Bock hinterliess mit seinem Kräuterbuch eines der bedeutendsten botanischen Werke der Renaissance. Er gilt damit als einer der «Väter der Botanik».
Kräuterbücher sind botanische Nachschlagewerke, die Pflanzen beschreiben und ihre Verwendung – vor allem als Heil- und Nutzpflanzen – erläutern. Im deutschen Sprachraum verfassten die drei Ärzte und Botaniker Otto Brunfels, Hieronymus Bock und Leonhart Fuchs im 16. Jahrhundert grosse, illustrierte Kräuterbücher und gelten dadurch als «Väter der Botanik». In ihren Kräuterbüchern stützten sie sich nicht, wie bis dahin üblich, nur auf die botanischen Schriften des Altertums, sondern sie beobachteten die Pflanzen selbst und beschrieben sie aus eigener Anschauung. Ihre Werke richteten sich nicht nur an Ärzte und Apotheker, sondern zunehmend auch an ein breiteres Publikum.

Eines dieser drei grossen Werke ist das Kreutterbuch von Hieronymus Bock (1498–1554). Er war ein deutscher Botaniker, Arzt und lutherischer Prediger. 1522 erhielt er eine Anstellung als Lehrer und Botaniker am Hof Herzog Ludwigs II. in Zweibrücken, wo er vermutlich den Grundstein für seine botanischen Kenntnisse legte. Im März 1532 wurde er zum Leibarzt des Herzogs ernannt, konnte dessen schwerer Erkrankung jedoch nichts entgegensetzen, sodass Ludwig noch im selben Jahr starb. Bock wurde daraufhin Prediger im nahen Hornbach. Sein Interesse galt jedoch eher seinen botanischen, medizinischen und pharmakologischen Studien. Auf ausgedehnten Reisen, die ihn von den Ardennen bis in die Schweizer Alpen führten, unternahm er als einer der ersten Wissenschaftler seiner Zeit den Versuch, die mitteleuropäischen Heil- und Nutzpflanzen umfassend zu beschreiben. Das Ergebnis dieser Studien ist sein Hauptwerk, das erstmals 1539 gedruckte Kreutterbuch, zu dessen Veröffentlichung ihn kein Geringerer als Otto Brunfels, der berühmteste Botaniker seiner Zeit, gedrängt hatte.

Da ihm zunächst die Mittel fehlten, das Werk zu illustrieren, beschrieb Bock die Pflanzen mit einer solchen Genauigkeit und Anschaulichkeit, dass selbst Laien sie sicher bestimmen konnten. Damit leistete er einen grossen Dienst für die künftige Entwicklung der Botanik. Ein weiteres Anliegen war ihm die Verständlichkeit: Er schrieb bewusst auf Deutsch statt auf Latein, um möglichst viele Leser zu erreichen.

Die zweite Ausgabe von 1546 und alle folgenden wurden mit Holzschnitten des Strassburger Grafikers David Kandel illustriert. Viele davon orientierten sich stark an den Abbildungen im Kräuterbuch des Leonhart Fuchs.

Das Exemplar im Altbestand der ETH-Bibliothek ist im Jahr 1595 in Strassburg erschienen und zeigt, wie lebendig Bocks Werk noch Jahrzehnte nach dessen Tod geblieben war. Diese Ausgabe wurde vom schlesischen Arzt und Naturforscher Melchior Sebezius (1539–1625) bearbeitet und ergänzt.
Das Exemplar enthält auf dem Vorsatz ein handschriftliches Exlibris, das uns verrät, dass es im Jahr 1618 einem Abraham Amport gehörte. Das Vorsatzblatt enthält zudem einen zeitgenössischen handschriftlichen Spruch. Dank des Moduls «Textlab» in e-rara und der seit letztem Jahr neu eingebundenen Software «Transkribus» ist auch eine maschinelle Texterkennung von Marginalien und handschriftlichen Notizen in alten Drucken möglich. Somit lässt sich dieser Spruch auch ohne gute Handschriftenkenntnisse entziffern.

Literatur
Bock, Hieronymus (1595) Kreutterbuch: darin underscheidt Nammen und Wurckung der Kreutter, Stauden, Hecken und Bäumen, mit jhren Früchten, so in Teutschen Landen wachsen […] Strassburg: [Verlag nicht ermittelbar]. https://doi.org/10.3931/e-rara-151544
Anderson, Frank J. (1977) An illustrated history of the herbals. New York: Columbia University Press.
Hoppe, Brigitte (1969) Das Kräuterbuch des Hieronymus Bock: wissenschaftshistorische Untersuchung : mit einem Verzeichnis sämtlicher Pflanzen des Werkes, der literarischen Quellen der Heilanzeigen und der Anwendungen der Pflanzen. Stuttgart: Hiersemann.
Das Kreutterbuch von Hieronymus Bock ist dieses Jahr vom 13. Juli bis 2. Oktober 2026 in der Gastausstellung von Rara und Karten «Im Bann des Rauschs – Vom Umgang des Menschen mit Genuss und Gift» im Max-Frisch-Archiv zu sehen. In der Ausstellung präsentieren wir eine Auswahl an Kräuterbüchern und anderen Werken, die sich mit Pflanzen und ihrer berauschenden Wirkung beschäftigen. Eine gute Gelegenheit alte Drucke einmal im Original zu bestaunen.>