Kaum ein anderer ETH-Professor prägte sein Fachgebiet wie Eduard Imhof. Am Montag jährt sich der Todestag des Kartografen, der durch seine wissenschaftlichen und künstlerischen Leistungen die Schweizer Kartografie veränderte und mit seiner engagierten Lehrtätigkeit manche seiner Schüler für diese begeisterte.
1895 als Sohn eines Geografielehrers in Schiers (GB) geboren, wurde Imhof sowohl die Kartografie als auch die Alpen bereits früh in die Wiege gelegt und faszinierte ihn bereits früh. Seinen Vater unterstützte er bei der Bearbeitung des Clubführers des SACs für das Albuagebiet. Die älteste erhaltene Karte Imhofs ist eine Kopie der physischen Karte von Australien nach einem Schulatlas, die er 1906 zeichnete und mit 14 Jahren erstellte er sein erstes Bergmodell, welches mehr „dem verwetterten Filzhut eines alten Maurers“ glich als dem Gross Spannorts.
Die Familie zog zu dieser Zeit bereits nach Zürich, wo er erst die Matura an der Kantonsschule machte und 1914 sein Studium an der ETH Zürich antrat. Im Verlauf seines Studiums war ihm nicht klar, ob er den Weg eines Malers oder eines Ingenieurs einschlagen will. Seine Bescheidenheit und Zurückhaltung sorgte dafür, dass er sowohl seinen Zeichnungslehrer Eduard Stiefel als auch seinen Professor Fridolin Becker nach dessen Meinung fragte.

Stiefel gab ihm die Rückmeldung seine Zeichnungen seien „etwas zu topographisch, zu wissenschaftlich, zuwenig künstlerisch“, Professor Beckers Anmerkungen wiederum waren „zu künstlerisch, zu wenig topographisch“. Trotz Zweifel und kriegsbedingter Unterbrechungen schloss Imhof sein Studium als Vermessungsingenieur 1919 ab und wurde daraufhin Assistent am Geodätischen Institut der ETH. Durch die krankheitsbedingte Abwesenheit von Professor Becker übernahm er bereits im Wintersemester 1919/1920 als Vertreter dessen Unterricht im „Planzeichnen“ und „Topographischem Zeichnen.“
Welche Hingabe sich in Eduard Imhof verbarg, wurde seinen Schülern schnell klar, obwohl das übliche Planzeichnen von den Ingenieurstudenten eher als lästige Handfertigkeitsübung betrachtet wurde. Imhof schaffte es durch seine Begeisterung und Persönlichkeit als geachteter und hochgeschätzter Lehrer das Beste in den Studenten herauszubringen.
Seine Lehraufträge wurden daher auch nach dem Tod Fridolin Beckers 1922 immer wieder erneuert, bis Beckers Stelle 1925 ausgeschrieben wurde. Schulratspräsident Gnehm persönlich forderte Imhof auf sich zu melden und daraufhin folgte die Ernennung zum ausserordentlichen Professor. Im selben Jahr gründete er das Institut für Kartografie an der ETH, dem ältesten kartografischen Hochschulinstitut überhaupt, dessen Leitung er bis 1965 innehatte.

Grosse Bekanntheit erlangte Imhof nicht zuletzt durch seine China-Expedition 1930 gemeinsam mit Arnold Heim und Paul Nabholz ins Minya Konka-Gebiets. Auf den wenigen vorhandenen Karten aus Europa stand über diesem gesamten Gebiet «nicht kartiert». Für den leidenschaftlichen Topographen Imhof gabe es nichts Verlockenderes, als einen leeren Fleck auf der Erde auszufüllen. Vor allem sollte die Lage und Höhe des Minya Konka festgestellt werden, da Gerüchten zu folge der Berg über 10’000 Meter hoch sei. Imhofs Vermessungen ergaben aber «nur» eine Höhe von 7’590 Metern über Meer, was den Mont Everest weiterhin zum höchsten Berg der Welt machte.

Beeindruckend sind vor allem seine exakt gearbeiteten Reliefmodelle der Schweizer Alpen, welche nichts gemeinsam mit seinem ersten Versuch haben. Imhof hat von der technischen Entwicklung und von hochwertigen topografischen Daten profitiert. Für das Modell der Windgällen Gruppe hat er photogrammetrische Karten im Maßstab 1:25.000 verwendet. Zudem verfügte er über eine große Menge terrestrischer photogrammetrischer Aufnahmen sowie zahlreiche detaillierte Luftbilder, die speziell für dieses Projekt angefertigt worden waren. Schlussendlich wurde das Relief innerhalb von 18 Monaten fertiggestellt und misst zusammengesetzt 307 x 163 cm.

Aber seinen «wohlgewichtigsten beruflichen Erfolg» hate Eduard Imhof im von ihm so betitelten «Siebenjährigen Landeskartenkrieg» mit der Eidgenössischen Landestopographie. 1926 veröffentlichte diese ihre Pläne den Blattschnitt der Landeskarten auf den uniformen Masssab von 1:50 000 zu beschränken. Dadurch wären das Mittelland und Jura nicht mehr im Massstab 1:25 000 herausgegeben worden. Imhof und weitere Mitstreiter darunter neun Wissenschafts- und Berufsverbände setzten sich in zahlreichen Sitzungen mit dem Militärdepartement, welchem die Landestopographie unterstellt war, und Denkschriften auf ganzer Linie durch. Noch heute ist der Blattschnitt von 1:25 000 bis 1:1 000 000 für die Landeskarten der Schweiz gültig.
Imhof verstarb am 27. April 1986 in Erlenbach. In seiner über 60-jährigen Tätigkeit als Kartograf hat er 17 grosse Wandkarten, 24 Schülerwandkarten, 10 Reliefkarten und über 1000 Atlaskarten neu bearbeitet. Unter seiner redaktionellen Leitung wurde der Schweizerische Mittelschulatlas mit 12 Auflagen in Deutsch, 11 in Italienisch und 10 in Französisch herausgegeben. Sein Werken und Engagement im In- und Ausland, unter anderem als Mitgründer der Internationalen Kartographischen Vereinigung, sowie einige weitere, die hier weggelassen werden mussten, machte ihn zu einer Koryphäe der Kartografie.

Weiterführende Literatur:
Imhof, Eduard, u. a. Bildhauer der Berge : ein Bericht über alpine Gebirgsmodelle in der Schweiz. Verlag des SAC, 1981, KA 112 SCHW 23.
Imhof, Eduard, u. a. Eduard Imhof – Werk und Wirken. Orell Füssli, 1971, KA 112 SCHW 21.
Imhof, Eduard, u. a. Ein schöpferisches Lebenswerk : Eduard Imhof zum 90. Geburtstag : Jubiläumsausstellung, Steffisburg, 2. Februar – 17. März 1985 : Festschrift und Katalog. Kunstkomission, 1985, KA 112 SCHW 22.
Hurni, Lorenz, u. a. Ingenieure der Kartenkunst : 100 Jahre Institut für Kartografie und Geoinformation, 170 Jahre Kartografie an der ETH Zürich. Korrigierter Nachdruck, Institut für Kartografie und Geoinformation, 2025, P 9691: 188.