In den 1860er-Jahren herrschte Aufbruchstimmung, die systematische Erforschung der Natur in der Schweiz begann. Dabei wurden Institutionen wie das Eidgenössische Topographische Bureau sowie die Geologische oder Meteorologische Kommission gegründet. 1869 initiierten der Schweizer Alpenclub und die Schweizerische Naturforschende Gesellschaft das Glaziologische Kollegium (ab 1893: Gletscherkommission), um die Gletscherforschung zu fördern. Unterstützt wurde das Kollegium vom Topographischen Bureau und von lokalen Forstdiensten.
Fortschritte in der Kartografie und die Einführung präziser Messinstrumente ermöglichten detailliertere Darstellungen der Gletscher. Frühwerke wie die «Instruction für die Gletscher-Reisenden des Schweizerischen Alpenclubs» (1871) und «Die Gletscher der Schweiz nach Gebieten und Gruppen geordnet» (Das «Gletscherbuch», 1874) legten den Grundstein für die systematischen Gletschervermessungen.
1874 wurde der Rhonegletscher aufgrund seiner Zugänglichkeit und typischen Struktur für eine mehrjährige Vermessung und Untersuchung ausgewählt. Die ersten Messtechniken umfassten die regelmässige Bestimmung der Gletscherlänge, also die Position des Gletscherendes, mithilfe von Messbändern und später Theodoliten. Zur Messung der Gletscherbewegung dienten Markierungsreihen aus farbigen Steinen, die an verschiedenen Stellen des Gletschers platziert wurden, um Veränderungen über Jahre hinweg zu beobachten.
Eine umfassende Publikation über die Vermessungen am Rhonegletscher war für 1894 geplant, musste aber wegen finanzieller und personeller Schwierigkeiten sowie der Kriegsmobilmachung bis 1916 warten. Diese erste systematische Erforschung bildete eine wichtige Grundlage für die Etablierung der Glaziologie als eigenständige wissenschaftliche Disziplin zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Daran beteiligt sind auch verschiedene Wissenschaftler:innen der ETH Zürich: Arnold Escher von der Linth, Albert Heim, Fritz Müller, Hans Röthlisberger, Almut Iken, Daniel Farinotti oder Matthias Huss.
Im Bildarchiv der ETH-Bibliothek sind aus diesen frühen Jahren Fotografien vorhanden, die Teil der grossen Bildersammlung der ehemaligen Glaziologischen Kommission sind. Der ganze Bildbestand der Glaziologische Kommission der SANW ist digitalisiert und findet sich frei zugänglich hier.
Ein Beispiel präsentieren wir heute im Blog. Die Fotografie ist Teil Kapitels „Anfänge der Glaziologie“ der Ausstellung „Entgletscherung – Die Vermessung des Eises“ im extract. In der Ausstellung, die noch bis Mitte Juli 2026 läuft, sind überwiegend Reproduktionen zu sehen. Die nächste Führung mit den beiden Kurator:innen findet am Montag, 2. März 2026 von 18.00 bis 19.00 Uhr statt. Bitte melden Sie sich hier an. Zum Tag der Gletscher am 21. März 2026 haben wir ein spannendes Programm für Sie zusammengestellt. Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt der Gletscher, entdecken Sie unsere Ausstellung und lassen Sie sich von weiteren Highlights überraschen.
Diese historische Fotografie zeigt einen sogenannten Gletschertisch: ein grosser Stein, der auf einer Eissäule ruht. Der Stein schützt das darunterliegende Eis vor der Sonne, während das umliegende Eis schmilzt – ein eindrucksvolles Naturphänomen. Die Aufnahme dokumentiert nicht nur geologische Prozesse, sondern auch das frühe Interesse an den Veränderungen alpiner Landschaften.
