In der Adventszeit 2025 präsentierte die Anatomische Sammlung der Haustiere im LFW-Gebäude eine besondere Kunstinstallation: «Schützenswert», eine Organkrippe.
Die Installation «Schützenswert» stellt die Verletzlichkeit des Körpers und seiner Organe ins Zentrum. Sie erinnert daran, dass Leben in all seinen Formen ein kostbares Gut ist, das Schutz braucht. Die anatomischen Modelle dienen hier nicht nur als Lehrmittel, sondern als Sinnbilder des Wesentlichen. Sie verweisen auf die biologischen Grundlagen unseres Lebens, Grundlagen, die zugleich fragil und vergänglich sind.

Die Installation verbindet die Weihnachtsgeschichte mit einem anatomischen Nachdenken über das Leben. Das Heilige und Wunderbare dieser Erzählung zeigt sich nicht als abstrakte Idee, sondern in der konkreten Anatomie menschlicher und tierischer Körper, in denen Leben Gestalt annimmt.
«Schützenswert» sind deshalb nicht nur Menschen und Tiere, sondern auch Organe, Sinne, Kultur und Gemeinschaft. All das, was unser Dasein trägt und, wie das Kind in der Krippe, Fürsorge und Schutz verdient. Die vertraute Bildsprache der Krippe wird zu einem Tableau der Verletzlichkeit. Die Figuren bestehen nicht aus Holz oder Ton, sondern aus anatomischen Modellen, die unmittelbar an das erinnern, was in uns wirkt.

Das Jesuskind erscheint als geöffnetes Herz, ruhend auf einem Schlitten und umhüllt von einer leuchtenden Warnweste. Das Zentrum der Liebe, zugleich empfindlich und schutzbedürftig. Maria und Josef werden durch Eierstock und Hoden dargestellt, als biologische Ursprünge und Symbole des Lebenszyklus. Maria steht für schöpferische Kraft, Josef, zumindest in der Weihnachtsgeschichte, für die Rolle des Statisten. Der Engelschor aus Gebissen und Kehlköpfen verkündet als kulturelle Gemeinschaft die Geburt des Schützenswerten. Die drei Könige bringen keine materiellen Gaben, sondern die Sinne selbst: Auge, Ohr und Zunge. Sie erinnern daran, dass Wahrnehmung ein Geschenk ist, unsere Verbindung zur Welt. Hufeisen, die ihren Weg säumen, stehen für Glück und Reise. Auch die Tiere der Krippe erscheinen als anatomische Modelle. Über allem leuchtet der Stern von Bethlehem, dargestellt als Gehirn mit Wirbelsäule. Er kann als Orientierung durch Bewusstsein, als Licht durch Erkenntnis verstanden werden.

Das Schützenswerte ist nichts Fernes, sondern liegt in uns. In unseren Organen, in den Sinnen, im Leben selbst. Das menschliche Gehirn wird zur leuchtenden Kraft, die uns leiten soll, zum Denken, Empfinden, Hinterfragen und Beschützen.
Die Installation von Florian Trepp (Gruppe Tierphysiologie) zeigt nicht nur, was schützenswert ist, sondern stellt die Frage, wie wir damit umgehen.
Mit ihr wurde erstmals das neue modulare Beschilderungssystem angewendet, das die physische Sammlung mit der digitalen Sammlung verbindet.
