Wem gehörte eine Karte oder ein Buch, bevor sie ihren Weg in den Bestand der ETH-Bibliothek fanden? Mit dieser Frage beschäftigen sich die Katalogisierenden der Gruppe Rara und Karte in der Provenienzerschliessung. Anhand von Stempeln, Exlibris und handschriftlichen Widmungen werden sowohl Vorbesitzer als auch buchhistorische, biographische und geisteswissenschaftliche Zusammenhänge ermittelt.
Dadurch können wir z.B. auch belegen, dass die Karte «Carte des Berner-Oberlandes» der ETH-Bibliothek von Louis Rollier (1859 – 1931) geschenkt wurde, oder das Buch Labyrinte de Versailles von 1679 aus der Bibliothek des Sonnenkönigs Ludwig XIV. (1638 – 1715) stammt (mehr dazu hier).
Einige dieser Merkmale sind dabei schwerer zu erschliessen als andere. Besonders bei Widmungen wurde nicht immer auf die Schönschrift geachtet und macht es zu einer Detektivarbeit die Provenienz korrekt zu transkribieren. Dabei sind sie besonders interessant, da durch sie auch aufgezeigt werden kann, wie vernetzt die Professoren der ETH waren. So wie beim Werk «Enquète sur les richesses minérales du nord-est de la France et des régions voisines», welches von Emmanuel de Margerie (1862 – 1953) zusammengestellt wurde.
Karte 7 «Principaux gîtes minéraux de la Prusse rhénanne» (K P 600096).
Nebst den zehn losen Karten zu Bodenschätzen und Geologie von Nordost-Frankreich, beinhaltet das Werk auch ein handgeschriebenes Titelblatt und Inhaltsverzeichnis und darunter seine Widmung «Hommage de l’auteur».
Handschriftliches Titelblatt von Margerie (K P 600096).
Bereits mit 15 Jahren wurde Margerie Mitglied der «Société géologique de France». Obwohl er formal nie ein universitäres Studium abschloss, veröffentlichte er insgesamt 265 wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Geologie, Tektonik und physischer Geografie und waren von kritischen Analysen und einem breiten Themenspektrum charakterisiert. Eines dieser Werke ist «Les dislocations de l’écorce terrestre», welches er mit dem Schweizer Geologen und ETH-Professor Albert Heim (1849 – 1937) geschrieben hat. (Das digitalisierte Exemplar der ETH-Bibliothek stammt zudem aus der Privatbibliothek des Geologen und Vulkanologen Immanuel Friedländer.)
Umso interessanter an der Widmung ist, dass sie nicht an Albert Heim gerichtet sein soll, sondern an den Geologen Arnold Heim (1882 – 1965). Somit war Margerie nicht nur mit Vater Albert befreundet, sondern pflegte auch eine berufliche Beziehung zu dessen Sohn.

Weiter handschriftliche Widmungen von und an Albert und Arnold Heim.
Die Provenienzerschliessung bei Rara und Karten ermöglicht so nicht nur den Weg, der ein Buch zurückgelegt hat, sondern auch die so eruierten Verbindungen von ETH-Professoren und weiteren Wissenschaftlern aufzuzeigen.
Weitere Provenienzmerkmale der ETH-Bibliothek können Sie auf «Ex meis libris» recherchieren.

