Raus aus der Studierstube

Die Erforschung der Gletscher bedeutet keine Laborarbeit, sondern hartnäckige Auseinandersetzung mit den rauen Eismassen. Einer der ersten modernen Glaziologen war der Genfer Professor Horace Bénédict de Saussure (1740–1799). Er unternahm mehrere Forschungsreisen und publizierte seine Beobachtungen und Messungen im Werk „Voyages dans les Alpes“. Einer der „Urväter“ der Alpengeologie war auch der ETH-Professor Arnold Escher von der Linth (1807–1872). Auf zahlreichen Studienexkursionen dokumentierte er seine Forschungsbeobachtungen mit umfangreichen handschriftlichen Karten und Zeichnungen der Schweizer Gletscher. Diese frühen Forschungsdaten stellen bis heute eine wertvolle Quelle für die Glaziologie dar.

Mit seinen wissenschaftlichen Bestrebungen legte Arnold Escher von der Linth den Grundstein für die weitere Gletscherforschung an der ETH Zürich. Sein Student und Schützling Albert Heim (1849–1937) trat als leidenschaftlicher Geologe in seine Fussstapfen. Heim widmete seine Forschung ebenfalls den Gletschern. Er veröffentlichte seine Forschungsergebnisse 1885 in seinem bedeutenden „Handbuch der Gletscherkunde“, seine erste Vorlesung an der ETH Zürich „Gletscher und Eiszeit“ (1871) behandelte die Eiszeittheorie.

Im Bildarchiv der ETH-Bibliothek sind aus diesen frühen Jahren wenige Fotografien und Originaldruckgrafiken vorhanden, die Teil der grossen Bildersammlung der ehemaligen Glaziologischen Kommission sind. Der ganze Bildbestand der Glaziologische Kommission der SANW ist digitalisiert und findet sich frei zugänglich hier.

Ein Beispiel präsentieren wir heute im Blog. Die Fotografie ist Teil des ersten Kapitels „Beobachten & Erforschen“ der Ausstellung „Entgletscherung – Die Vermessung des Eises“ im extract. In der Ausstellung, die noch bis Mitte Juli 2026 läuft, sind überwiegend Reproduktionen zu sehen. Die nächste Führung mit den beiden Kurator:innen findet am Montag, 12. Januar 2026 von 18.00 bis 19.00 Uhr statt. Bitte melden Sie sich hier an.

Bergfotografie spielte eine wichtige Rolle in der Geologie, besonders im 19. Jahrhundert, um die Entstehung von Bergketten zu verstehen. Frühe Bergfotografien waren denn auch wissenschaftlich, nicht künstlerisch. Fotografie galt als wahrheitsgetreu. Die Herstellung von Panoramafotografien war sehr anspruchsvoll, man benötigte in den 1860er-Jahren rund fünf Stunden für ein 360°-Panorama (12–15 Minuten Belichtungszeit plus Zeit für Kamera-Handhabung und -Einstellungen). Die Gründung von Alpenvereinen und die Entwicklung des Bergsteigens förderten die Alpenfotografie, da Illustrationen für deren Berichte benötigt wurden. Adolphe Braun: Mer de Glace [Glacier des Bois], partie inférieure, Chamounixthal, 1862–1870. Panoramaufnahme, Albuminabzug auf Karton montiert, 22 x 48 cm ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Archiv der Glaziologische Kommission, Hs_1458-GK-BF03-1862-0004

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