Ab dem Jahr 1825 brachte der Toggenburger Künstler Johann Baptist Isenring sein Album «Thurgegenden» heraus – ein Werk, das uns heute mit erstaunlicher Detailtreue in die malerischen Landschaften an der Thur vor 200 Jahren zurückversetzt.
Johann Baptist Isenring wurde am 12. Mai 1796 als Sohn einer Kleinbauernfamilie in Lütisburg im Toggenburg geboren und absolvierte zuerst eine Lehre als Tischler in Zürich. Während seiner darauffolgenden Wanderschaft nach Wien und München (1816-1817) arbeitete er als Flachmaler und Vergolder. Ein Stipendium ermöglichte es ihm schliesslich, ab 1820 an der Münchner Kunstakademie Landschaftsmalerei und Aquatinta zu studieren.
Nach seiner Rückkehr in die Heimat veröffentlichte er von 1825 bis 1827 im Selbstverlag sein erstes Album, die aus 20 Blättern bestehende Sammlung Thurgegenden, «eine Sammlung von Ansichten, welche die anziehendsten Gegenden an und in der Nähe der Thur von ihrem ersten Ursprung bis zu ihrer Vereinigung mit dem Rheine, darstellen».

Die 20 sorgfältig nach der Natur gezeichneten, in Aquatinta geätzten und gedruckten Illustrationen hat Isenring ergänzt mit naturhistorischen, geschichtlichen und geographischen Erklärungen und Bemerkungen zu den einzelnen Ansichten.

Dieses Album ist als historische Reise auf ETHorama erschlossen. Dort kann man den Weg von Wildhaus bis Andelfingen auf der Karte mitverfolgen und findet bei jedem Ort die dazugehörende Abbildung und Erklärungen.

Sohn von Lütisburg
Das Blatt zu Lütisburg, dem Ort wo Johann Baptist Isenring geboren und aufgewachsen ist, ist wohl das persönlichste. In einem Zusatztext verrät er, dass er das väterliche Haus auf der Karte der Thur verewigt hat: «Bey Lütisburg, links an der Strasse von Lichtensteig nach Wyl, befindet sich auf der Charte des Thurflusses ein einzelnes Haus gezeichnet, welches die väterliche Wohnung des Herausgebers dieser Thuransichten, J. B. Isenring, vorstellt.»

Des Weiteren bedankt er sich bei Freunden und Gönnern sowie bei der katholischen Administration des Kantons St. Gallen, die ihm durch ein Stipendium ein Studium an der Kunstakademie in München ermöglicht hatte. Auf derselben Seite bringt er auch seinen Schmerz über den Verlust seines jüngeren Bruders Johann Jakob zum Ausdruck, der ebenfalls in München Kunst studiert hatte und ihm bei der Arbeit helfen sollte. Doch kurz nach seiner Rückkehr in die Heimat verstarb Johann Jakob Isenring im Alter von nur 23 Jahren.

Pionier der frühen Fotografie
In den 1840er Jahren gehörte Isenring zu den ersten Schweizer Künstlern, die sich mit der neuen Technik der Daguerreotypie beschäftigten. Als er 1839 von der Erfindung eines fotografischen Verfahrens durch Louis Daguerre hörte, bestellte er im gleichen Jahr in Paris eine Daguerreotypie-Kamera und wurde so zum ersten Schweizer Fotografen. Er führte sogar ein „fahrendes Fotostudio“, mit dem er durch verschiedene Städte reiste, um Porträts anzufertigen – ein damals ausgesprochen innovatives Geschäftsmodell.
In späteren Jahren betätigte er sich wieder hauptsächlich als Landschaftsmaler und Kupferstecher.

Das Werk «Thurgegenden» ist digitalisiert und steht auf e-rara.ch zum Betrachten und Herunterladen zu Verfügung. Der Reiter «Orte» führt dank Named Entity Recognition und Named Entity Linking zu einer Liste mit allen in diesem Werk identifizierten und mit Normdaten verknüpften Orten. So sind nicht nur die Ortschaft zu finden, die Isenring abgebildet hat, sondern auch alle diejenigen, die irgendwo im Text erwähnt werden.
Quellen und Literatur
Amann, Hans: Der junge Johann Baptist Isenring (1796-1860): zum 200. Geburtstag des Künstlers, in: Toggenburger Annalen: kulturelles Jahrbuch für das Toggenburg. 5. 23 (1996). https://doi.org/10.5169/seals-883540
Binder, Walter: „Isenring, Johann Baptist“, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 28.01.2008. https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/022460/2008-01-28/, konsultiert am 02.12.2025.
Isenring, Johann Baptist: Thurgegenden: eine Sammlung malerischer Landschaften an und in der Nähe der Thur. [Selbstverlag], 1825, https://doi.org/10.3931/e-rara-9754. Rar 287.
Kälin, Adi: Der erste Schweizer Fotograf, in: Blog des Nationalmuseums. Publiziert am 03.08.2023. https://blog.nationalmuseum.ch/2023/08/isenring-erster-schweizer-fotograf/, konsultiert am 05.12.2025
Wegelin, Peter: Johann Baptist Isenring Und Die Thurgegenden Im Toggenburg, in: Toggenburger Annalen: kulturelles Jahrbuch für das Toggenburg. 5 (1978). https://doi.org/10.5169/seals-883797