Zum 150. Geburtstag von Carl Gustav Jung

Carl Gustav Jung, meist kurz C. G. Jung, war einer der bekanntesten Schweizer Psychiater, wenn nicht sogar der Bekannteste. Er begründete die Analytische Psychologie und hätte morgen seinen 150. Geburtstag gefeiert, wäre er nicht 1961 verstorben. Anlässlich dieses Jubiläums werfen wir einen Blick zurück – nicht in Junges Leben, sondern auf das Jahr 1975, als er seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte.

In diesem Blog finden sich bereits zahlreiche Inhalte zu Carl Gustav Jungs Leben und seinem Nachlass im Hochschularchiv der ETH Zürich. Sei es die Erschliessung des Korrespondenzbestands, Beiträge zu seinem fünfzigsten oder sechzigsten Todestag, eine Auseinandersetzung mit seiner Beziehung zum Alkohol oder die Geschichte, wie seine Assoziationsmethode bei einem Mordfall genutzt wurde – sie alle haben eines gemeinsam: Sie fokussieren sich auf C. G. Jung und sein Leben. Über den Einfluss, den der Psychoanalytiker auch noch nach seinem Tod hatte, wurde hier bisher wenig berichtet.

(ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, EZ-5.1/7.30. Broschüre des Jung-Instituts zum 100. Geburtstag von Prof. C.G. Jung)

Die treibenden Kräfte für das Jung-Centenarium hier in Zürich waren das Jung-Institut Zürich und C. A. Meier, ein ehemaliger Schüler und enger Wegbegleiter Jungs. Wie einem Brief des Jung-Instituts vom 2. Mai 1975 an den ETH-Rektor Heinrich Zollinger zu entnehmen ist, war das Institut bereits seit Beginn des Jahres aktiv dabei, Veranstaltungen zum Jubiläumsjahr zu unterstützen. Unter anderem ging daraus eine Ausstellung der Stadt Zürich im Helmhaus hervor. Diese Gedächtnisausstellung über das Leben und Werk von C. G. Jung wurde von über 20.000 Menschen besucht. Eine daraus entstandene Bilderschau über einen Teil der Ausstellung wurde anschliessend in über 40 Städten gezeigt.

(ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, EZ-5.1/7.30. Broschüre des Jung-Instituts zum 100. Geburtstag von Prof. C.G. Jung)

Neben dem Wunsch, auf das Leben eines grossen Psychologen aufmerksam zu machen, verfolgte das Jung-Institut noch eine andere Motivation: Es plante eine Finanzaktion in der Hoffnung, Gelder zu sammeln, um seine Tätigkeit in den Bereichen Erwachsenenbildung, Forschung und Publikation weiterführen zu können. Zollinger wurde gefragt, ob er zusammen mit weiteren «Persönlichkeiten des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens» dem Patronatsausschuss beitreten wolle.

(ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, EZ-5.1/7.30. Broschüre des Jung-Instituts zum 100. Geburtstag von Prof. C.G. Jung)

Zollinger nahm die Einladung des Jung-Instituts an, denn an der ETH wurde bereits seit dem Vorjahr geplant, etwas zum 100. Geburtstag von Jung zu unternehmen. Getrieben durch C. A. Meier sollten im Rahmen einer Jung-Centenariumsfeier etwa fünf Vorlesungen oder Vorträge durchgeführt werden. Von Meier initiiert, fiel die Wahl auf Karl Schmid (ETH Zürich), einen herausragenden Literaturwissenschaftler, Markus Fierz (ETH Zürich), einen angesehenen Physiker und Philosophen, Hans Marti (Universität Bern), einen Juristen und Vertreter einer geisteswissenschaftlich orientierten Rechtsphilosophie, sowie Josef Rudin, einen katholischen Theologen mit tiefem Interesse an der Verbindung von Religion und Tiefenpsychologie. Auch Zollinger wurde von Meier angefragt, lehnte aber wegen fehlender Kenntnisse über das Leben von C. G. Jung ab. Dafür übernahm er eine kurze Einführung, nach welcher C. A. Meier mit seinem Vortrag die Reihe eröffnete.

(ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, EZ-5.1/7.30. Einladung zu den Gedenkvorlesungen zum 100. Geburtstag von Prof. C.G. Jung)

Wahrscheinlich gab es 1975 auch noch viele weitere Veranstaltungen zum Jubiläum dieses hochgefeierten Psychologen. Das Dossier mit den Unterlagen zur beschriebenen Centenariumsfeier fokussiert sich natürlich vor allem auf die Ereignisse, die an der ETH stattgefunden haben. So ist beispielsweise vermerkt, dass die ETH-Bibliothek anlässlich des Jubiläums eine Ausstellung zur Tätigkeit von Jung an der ETH lancierte.

Auch dieses Jahr findet ein Event zu Jungs Geburtstag statt: 2025 findet, anlässlich zu Jungs 150. Geburtstag, der 23. International Congress of Analytical Psychology (24.-29. August) in Zürich statt, der Stadt, in der die analytische Psychologie von Carl Gustav Jung begründet wurde. Es wird ein vielseitiges Programm geboten. Die Anmeldefrist ist noch bis zum 8. August geöffnet: https://www.iaap2025.org/

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