Friedrich Zschokke, brav und wohlgesittet

Die klassische Studioaufnahme mit Friedrich Zschokke und seinen Geschwistern entstand kurz vor der eigentlichen Blütezeit der ansonsten von der Fotogeschichte eher vernachlässigten Gattung der Gruppenaufnahme. Es ist ein schönes Beispiel für die Urform des Gruppenporträts, welches eine Familie oder zumindest einen Teil davon zeigt.

Der Volkskundler Paul Hugger setzt die Blütezeit des Gruppenporträts zwischen 1870-1945 an: “… in dieser Zeit genossen Gruppenaufnahmen eine hohe Wertschätzung. Sie waren gemeinschaftsfördernd und identitätsstiftend (S. 8).”

Friedrich Zschokke 1868, brav und wohlgesittet

Unbekannter Fotograf: Friedrich Zschokke, brav und wohlgesittet, 1868 (Dia_282-1902)

Friedrich (Fritz) Zschokke (1860-1936), Zoologe, Professor an der Universität Basel und Enkel des Dichters Heinrich Zschokke (1771-1848) ist der junge Mann rechts im Alter von 8 Jahren. Neben ihm vermutlich seine ältere Schwester und sitzend der jüngere Bruder, der offenbar bereits zwei Jahre nach der Aufnahme verstarb.

Die Jugendzeit, gemeinsam mit seinen vier Geschwistern, von der er uns oft erzählt hat, war nach allen seinen Schilderungen eine sehr glückliche; doch machte es auf den damals zehnjährigen Fritz einen tiefen Eindruck, als ihm das jüngere Brüderlein durch eine tückische Krankheit entrissen wurde (Zschokke, S. 5).

Weiter ist zur Jugend Zschokkes und seiner Geschwister nicht viel mehr zu erfahren, denn die Nachrufe konzentrieren sich auf die akademische Karriere und das reifere Alter Zschokkes. Es gibt keinerlei Hinweise, dass die auf dem Glasdiapositiv angebrachte Bildüberschrift, “brav und wohlgesittet” ironisch gemeint ist, denn Zschokke wird durchwegs als “grundguter Mensch” bezeichnet (Zschokke, S. 6).

Im Bildarchiv ist das weitere Leben Zschokkes erstaunlich gut dokumentiert, so finden sich zum Beispiel weitere Porträts aus den Jahren 1864, 1872, 1876, 1877, 1879, 1883 und 1902. 1920 erhielt Zschokke den Dr. scient. h.c. der ETH Zürich.

Zschokke, Friedrich und Sohn "Fridtjof"

Friedrich Zschokke und Sohn “Fridtjof”, 1902 (Dia_282-1909)

Literatur:

Hugger, Paul, and Richard Wolf. Wir sind jemand : Gruppenfotografien von 1870 bis 1945 – ein Spiegel der Gesellschaft. Bern: Benteli, 2012.

Zschokke-Dietschy, Friedrich et al. Zur Erinnerung an Herrn Professor Friedrich Zschokke-Dietschy. Basel: Frobenius A.G., 1936.

Artikel zu Friedrich Zschokke im Historischen Lexikon der Schweiz

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