Graue Energie und die Zukunft von Beton

Graue Energie und die Zukunft von Beton

Ressourcen schonen, Energie einsparen, recyceln, CO2-Emissionen senken – das sind Themen, die uns alle betreffen, die aber vor allem auch in der Architektur eine zunehmende Relevanz haben. So ordnete die Professur Gigon Guyer unter dem Titel ‚Graue Energie und graue Emissionen pro m2 Baustoff‘ im ETH Material Hub Materialmustern Daten und Zahlen zu, die sie mit den Studierenden im Herbstsemester für verschiedene Materialdimensionen ermittelt hatte. Es wurde betrachtet, wie verschiedene Baustoffe (Beton, Holz, Stahl, Glas, Backstein, Lehm, Naturstein, Kunststoffe, Stroh, Aerogel und Solarmodule) in jeweils gebräuchlicher Materialstärke pro Quadratmeter hinsichtlich grauer Energie und grauem CO2 abschneiden. Als Grundlage dienten die Ökobilanzdaten im Baubereich der KBOB (Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren). Die Zahlenwerte pro Baustoff wurden mit Etiketten veranschaulicht.

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Ausstellung ‚Graue Energie und graue Emissionen pro m2 Baustoff‘ der Professur Gigon Guyer im ETH Material Hub, Foto: Moritz Holenstein/Gigon Guyer

Dabei ging es um die Auseinandersetzung mit Grössenordnungen und Verhältnissen. Denn die vorhandenen Materialmuster im ETH Material Hub und die den Ökobilanzdaten der KBOB  zugrunde gelegten Baustoffe sind nicht in allen Fällen deckungsgleich. Eine genauere Bestimmung muss sich jeweils auf spezifische Produkte beziehen. Gleichwohl liessen sich Tendenzen für verschiedenste Materialtypen aufzeigen und dadurch das Bewusstsein für den grauen Energieverbrauch und die grauen Treibhausgasemissionen schärfen. Die interessanten Erkenntnisse dieser Ausstellung sollen nicht verloren gehen und im Rahmen der Dauerausstellung des ETH Material Hub langfristig vermittelt werden. Ein Konzept hierzu wird derzeit erarbeitet.

Ausstellung ZHAW Beton

Ausstellung ‚Bauen mit Beton – CO2-arme Rezepturen und klimafreundliche Anwendungen‘ an der ZHAW in Winterthur, Foto: Gianluca De Pedrini

Ab Mai zeigt der ETH Material Hub eine Ausstellung, die an der ZHAW in Winterthur konzipiert wurde und die Zukunft des Baustoffs Beton im Zentrum hat. Beton ist derzeit das weltweit am meisten verwendete Baumaterial. Zugleich verursacht die Herstellung des Bindemittels Zement einen erheblichen Teil des globalen CO2-Ausstosses. In der Ausstellung wird Beton in seine Einzelbestandteile zerlegt, es werden Herstellungsprozesse und Varianten erläutert. Vorgestellt werden zudem neueste Forschungen, wie CO2-sequestrierter Recyclingbeton, bei dem die Gesteinskörnung mit CO2 angereichert wird, sowie LC3-Zement, bei dem man die Hälfte des klimaschädlichen Zements durch Kalkstein und kalzinierten Ton substituiert. Ob diese Entwicklungen dem Beton eine Zukunft als klimafreundlichem Baustoff geben können, ist eine entscheidende Frage, auf die es noch keine abschliessende Antwort gibt.[1]

[1] Siehe hierzu das Interview von Andres Herzog mit der Betonforscherin Karen Scrivener in der Zeitschrift Hochparterre vom 30.09.2019 (Bd. 10, S. 10–16) mit dem Titel ‚Beton ist unersetzlich‘ sowie die Rezension von Sabine von Fischer zur derzeit im Schweizer Architekturmuseum in Basel laufenden Ausstellung ‚Beton‘ in der NZZ vom 11.01.2022 mit dem Titel ‚Der Beton hat eine heroische Vergangenheit – aber kaum mehr eine Zukunft. Deshalb ist es nur noch mit Nostalgie möglich, diese Ingenieurleistungen zu bewundern‘.

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