Grüsse aus Braunwald

Auch in den letzten Gemeinden sind die Sportferien nun vorbei, die meisten Skigebiete beenden ihre Wintersaison und nehmen die Skilifte ausser Betrieb. Eigentlich schade, bei dem aktuell wunderbaren Wetter. Waren Sie diesen Winter auch Skifahren, allenfalls sogar in Braunwald? Vor 100 Jahren sah der Ort noch etwas anders aus, das Besondere hat sich Braunwald aber bis heute erhalten.

Persönlich durfte ich Ende Februar in Elm Skifahren gehen, doch ich erinnere mich noch gut an ein Skilager im Nachbartal. Mit der Schule sind wir damals in Braunwald zu Gast gewesen, das ist unterdessen aber doch schon ein paar Jahr(zehnt)e her. Doch der autofreie Ort hat auch heute noch etwas Besonderes, Idyllisches, mit wunderschönem Blick aufs Linthal und eingebettet im Bergpanorama der Glarner Alpen.

Braunwald, Glärnisch, Winteraufnahmen, Blick nach Norden (N)

Abb. 1: Braunwald, Glärnisch, Winteraufnahmen, Blick nach Norden (N), 1963. Quelle: Bildarchiv der ETH Zürich, Com_F63-00160

Der Schweizer Kunstlehrer und Reliefbauer Carl Meili (1871 – 1919) hat diese besondere Lage des Ortes auf seiner topographischen Karte Braunwald wunderbar eingefangen. Das Kartenbild zeigt Braunwald vermutlich um das Jahr 1910, die Karte selbst ist nicht wie heute üblich nordorientiert, sondern nordwestorientiert. Auffallend sind vor allem die Reliefschattierungen, welche das Bergmassiv sehr plastisch darstellen.

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Abb. 2: Ausschnitt der Karte „Braunwald“

Das so präzise und eindrücklich gezeichnete Relief hat natürlich auch seinen Grund. Carl Meili war eigentlich spezialisiert auf die Gestaltung und Produktion von plastischen, dreidimensionalen Reliefs. Nach seiner Ausbildung als Kunstlehrer und einer Tätigkeit als Stickereizeichner trat Meili in den 90er Jahren der 19. Jahrhunderts in den Dienst von Xaver Imfeld (1853 – 1909), Kartograf und Reliefkünstler. Unter Imfelds Anleitung begann Meili, grossmasstäbliche Reliefs zu erstellen. Und er entwickelte ein Talent und gutes Auge für diese Arbeit, wie Eduard Imhof (1895 – 1986) in seiner Publikation Bildhauer der Berge (1981) schreibt:

Nie hatte ein Lehrling einen besseren Meister. Nie hatte ein Meister einen fähigeren Lehrling. (Imhof 1981, S. 135)

Insbesondere die „Verbindung geologisch-topografischer Wissenschaftlichkeit mit künstlerischer Fertigkeit“ (Historisches Lexikon der Schweiz) zeichnete Meilis Arbeit aus. Das bekannteste Werk ist wohl das Relief des Säntis-Massivs, welches Meili zwischen 1898 und 1903 gemäss den Angaben des Geologen Albert Heim (1849 – 1937) fertigte. Nach dem Tod Imfelds erstellte Meili weitere Reliefs des Säntis, wobei diese Arbeiten aber längere Zeit ebenfalls Albert Heim zugeschrieben wurden (Imhof 1981, S. 135).

Kartografische Produkte wie die hier präsentierte Karte von Braunwald blieben im Schaffen Meilis eher die Ausnahme, und sind wohl auf seine Arbeit für den Schweizerischen Alpenclub SAC zurückzuführen. Eigentlich schade, denn das gute Auge für Details ist auch auf der zweidimensionalen Karte schön zu erkennen. Und so fällt es uns leicht, uns über die Karte eine letzte Abfahrt auf der Skipiste von der Bergstation hinunter ins Dorf Braunwald vorzustellen.

 

Literatur:

  • Imhof, Eduard. Bildhauer der Berge : ein Bericht über alpine Gebirgsmodelle in der Schweiz. Bern: [Verlag nicht ermittelbar], 1981.
  • Peter Jud. Meili, Carl, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS, online). https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/043540/2008-10-22/ (Stand: 24.03.2022)

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