Profile schärfen: Die Geologie am Bözbergtunnel

Seit dem Ende des letzten Jahres ist der neue Bözbergtunnel für den Schienenverkehr freigegeben. Der alte Tunnel wurde damit nach fast 150 Jahren ausser Betrieb genommen und wird nun zum Rettungs- und Wartungsstollen umgebaut. Dessen ursprünglicher Bau half dabei mit, das geologische Profil des Aargaus zu schärfen.

Tunnelbauten sind Meisterleistungen – bautechnisch, planerisch, finanziell. Aber nicht nur der Bau an sich ist herausfordernd, bereits bei der Planung müssen geologische Profile berücksichtigt werden, um den Verlauf des Tunnels optimal legen zu können. Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Arbeiten dazu noch nicht allzu weit fortgeschritten: Es gab zwar einige geologische Karten, aber es wurde noch intensiv über die Entstehung und Verteilung der Gesteinsschichten diskutiert. Zudem blieb der Untergrund meist verborgen. Der Tunnelbau erwies sich dann als grosse Chance, im Verlaufe des Baus konnten genauere geologische Profile erstellt und wichtige Erkenntnisse gewonnen werden.

Abb. 1: Entwurf des geologischen Profils vom Bözberg 1870, Rar K 308, https://doi.org/10.3931/e-rara-20725

So auch im Falle des Bözbergtunnels: Vor dessen Bau um 1870 wurden Entwürfe des durch den Schweizer Geologe Casimir Mösch (1827-1898) herangezogen. Mösch war ursprünglich Apotheker, widmete sich dann aber nach einem Aufenthalt in München verstärkt den Naturwissenschaften, besonders der Geologie im Aargau und genauer dem Bözberg. Er veröffentlichte 1856 eine erste Publikation zur Geologie des Kantons Aargau und trat bei seinem Umzug nach Zürich 1864 in das Umfeld von Arnold Escher von der Lindth (1807 – 1872) und dem Polytechnikum – der heutigen ETH – , wo er weitere geologische Studien durchführte und neue Erkenntnisse gewann. Durch Escher wurde Mösch auch für die Erarbeitung der Geologischen Karten der Schweiz beigezogen und arbeitete an einigen Blättern mit.

Basierend auf seinen Beobachtungen seit 1856 hat Mösch für den Bau der Bözbergstrecke um 1870 ein erstes genaueres Profil des Bözberg erstellt (Abb. 1). Dieses Profil basierte auf Beobachtungen an der Oberfläche. Während des Baus kamen dann weitere Erkenntnisse hinzu, und das Profil des Bözbergs wurde weiter geschärft, welches dann um 1874 publiziert wurde (Abb. 2). Ein Vergleich der beiden Abbildungen zeigt, wie sich das Verständnis für die Geologie der Region verändert und geschärft hat.

Abb. 2: Profil des Bözbergs, entstanden während des Tunnelbaus, [1874], Rar K 309, https://doi.org/10.3931/e-rara-20724

Friedrich Mühlberg (1840 – 1915) – ebenfalls Schweizer Geologe mit Fokus auf den Jura und Aargau, und Zeitgenosse Möschs – führt die Anpassungen einerseits auf den veränderten Standort bei den Beobachtungen an der Oberfläche zurück (vgl. Abb. 3), andererseits aber eben auf den eigentlichen Tunnelbau, welcher neue, detailliertere Einblicke ermöglichte. Natürlich wurde noch weiter über mögliche Verläufe und Entstehungen von Gesteinsschichten und Falten diskutiert (um nicht zu sagen «gestritten»), aber nun auf Basis einer geschärften Ansicht des Bodenprofils.

Abb. 3: Vergleich verschiedener Profile des Bözbergs von C. Mösch, nach F. Mühlberg 1889

Beide Exemplare zu den Profilansichten des Bözbergtunnels waren im Besitz von Albert Heim und fanden über dessen Nachlass ihren Weg in die ETH-Bibliothek.

Literatur

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