Lilienthal im Fluge

Am 10. August jährt sich zum 125. Mal der Todestag des ersten Menschen, der erfolgreich Gleitflüge mit einem Gleitflugzeug durchführte, Karl Wilhelm Otto Lilienthal.

Regis, A.: Otto Lilienthal, 1894 (Ans_05513-001-AL-FL)

Ende 1889 veröffentlichte Lilienthal sein Buch Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst- Ein Beitrag zur Systematik der Flugtechnik, das später zu den wichtigsten flugtechnischen Veröffentlichungen des 19. Jahrhunderts wurde. Beteiligt an den wissenschaftlichen Erfolgen Lilienthals war auch sein Bruder Gustav Lilienthal:

Die Brüder bildeten seit frühesten Kindertagen ein kreatives, sich gegenseitig ergänzendes und inspirierendes Paar. Dies trifft auf erste noch kindliche Flugversuche ebenso zu, wie auf die späteren systematischen Experimente (Lukasch, S. 6)

Als Autor zeichnete dann aber doch Otto allein. Dass sein Buch heute als Ursprungswerk der Flugzeugentwicklung gesehen wird, ist laut Lukasch „… besonders der Tatsache geschuldet, dass sein Autor dem im Buch veröffentlichten Programm folgend nur zwei Jahre später tatsächlich zum erfolgreichen „ersten Flieger“ wird. Die spätere Aufmerksamkeit für das Buch ist eher auf diese Flugpraxis Lilienthals zurückzuführen, als auf das Buch selbst (S. 11).“

Zur Verbreitung von Lilienthals Theorie und Praxis leistete auch das Medium Fotografie einen wesentlichen Beitrag:

Alle Urheber der heute 135 bekannten, während der Flugversuche aufgenommenen Fotografien sind namentlich bekannt. Zu ihnen gehören der Pionier der Augenblicksfotografie Ottomar Amschütz (1846-1907), dessen Schlitzverschluss in der Berliner Optischen Anstalt C. P. Goertz über viele Jahre exklusiv hergestellt wird ebenso wie Richard Neuhauss (1855-1915), der Herausgeber der Photographischen Rundschau (Lukasch, S. 11).

Der Urheber unseres Bildes aus dem Bestand der Swissair galt bisher als unbekannt. Dank dem Katalog der bekannten Fotografien des Otto-Lilienthal-Museums konnten wir den Urheber ermitteln und zuordnen.

Dr. Richard Neuhauss: Otto Lilienthal in seinem Hängegleiter, Fliegeberg, 19.10.1895 (LBS_SR02-05730-03-AL)

Es handelt sich um eine grafisch bearbeitete Version einer Fotografie von Richard Neuhauss, die vermutlich für didaktische Zwecke oder in einem Buch verwendet wurde. Der Mediziner und Anthropologe Neuhauss (1855-1915) interessierte sich für wissenschaftliche Fotografie und war von 1894 an fast anderthalb Jahrzehnte lang Herausgeber der Zeitschrift „Photographische Rundschau“. Für die Aufnahmen von Lilienthals Flugversuchen verwendete er die nach seinen Plänen von der Berliner Firma A. Stegemann konstruierte Stegemann’sche Geheimkamera. So nannte man damals leichte und unauffällige Handkameras, mit denen schnell und nahezu unbemerkt Momentaufnahmen „geschossen“ werden konnten.

Ein weiteres Bild in unserem Bestand, dessen Urheber geklärt werden konnte, ist dasjenige von Ottomar Anschütz. Es wurde vermutlich ebenfalls mit einer Handkamera gemacht, welche Anschütz selbst entwickelt hatte (vgl. Wikipedia).

Ottomar Anschütz: Lilienthal im Fluge, 16.08.1894 (Ans_05513-002-AL-FL)

Literatur:

Die Erstausgabe von Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst von 1889 ist online in e-rara: https://doi.org/10.3931/e-rara-24491

Lukasch, Bernd: Otto Lilienthal : Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst. Berlin: Springer, 2014.

Links:

Eintrag zu Richard Neuhauss auf der Werbseite des Otto-Lilienthal-Museums

Zu Stegemanns Geheimkamera siehe ebenfalls die Webseite des Otto-Lilienthal-Museums

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