Frankenstein im East River – Der Bau der Brooklyn Bridge in der Darstellung von Samuel W. Green (1883)

New York is a business city ; Brooklyn is a city of homes. Of what use is a prosperous business unless a man has a happy home to go to when business is over for the day, which he may beautify with the gains of business, and where he may treasure up all that makes life desirable or business necessary? (Werbeanzeige am Ende des Bandes)

Die Eröffnung der Brooklyn Bridge dient der New York Life Insurance Company als Gelegenheit und Aufhänger, ihre Lebensversicherungen anzupreisen. Die Werbeanzeige am Ende des 1883 erschienenen Bandes A Complete History of The New York and Brooklyn Bridge stellt die Analogie her zwischen der im selben Jahr eröffneten Brücke, die zwei Städte verbindet und dem Geschäft und Privatleben eines Geschäftsmanns.

Brooklyn Bridge aus Sicht von Governors Island

Seit dem 24. Mai 1883 kann dieser seinen Arbeitsweg aus der damals eigenständigen Stadt Brooklyn nach New York nämlich über die neu errichtete Brooklyn Bridge zurücklegen.

Die Abbildung des Brückenquerschnitts gibt Aufschluss über die möglichen Verkehrsmittel, die ihm für den Arbeitsweg zur Wahl standen: Eine Kutsche, die Eisenbahn oder der erhöhte Fussweg in der Mitte.

Darstellung der Fahrbahnen der Brooklyn Bridge im Querschnitt (Seite 56)

Dem belebten Treiben auf der elegant schwebenden Fahrbahn ging eine rund achtzehnjährige Planungs- und Bauzeit voraus. Der Architekt John A. Roebling verunglückte noch vor Baubeginn bei Planungsarbeiten für einen der beiden Brückenpfeiler und verstarb. Als Nachfolger wurde sein Sohn Washington A. Roebling bestimmt. Beide werden im hinteren Teil des Buches in einer knappen Biografie gewürdigt.

Ingenieure John A. Roebling (Vater) und Washington A. Roebling (Sohn)

Roebling sollte nicht das einzige Todesopfer dieses Bauprojekts bleiben. So starben mehrere Arbeiter an den Folgen der Dekompressions- oder Caissonkrankheit. Es handelt sich dabei um die Folgen einer zu schnellen Druckentlastung nach einer Überdrucksituation, wie es beim Tauchen vorkommt. Zur Überdrucksituation kam es bei den Bauarbeiten in den beiden Caissons, den Senkkästen. Sie wurden auf den Grund des East Rivers abgelassen um das Sediment abzutragen und den Felsen für die Brückenpfeiler freizulegen.

What Frankenstein can grasp this mighty box, put it flat on the bottom of the river, hold it with one hand, while with the other he wields a gigantic straw, performates to the inside of the “Saratoga,” and, with his huge lungs, blows in the air till the water is driven out below the cast-iron shoes, so that, protected by his mighty breath, crowds of pigmies may go down cellar and work? (Seite 15)

Damit in den Caissons gearbeitet werden konnte, musste das Wasser mit Druckluft herausgepresst werden. Der dadurch erzeugte Druck betrug an der tiefsten Stelle (78,5 Fuss oder 23,9 Meter) beim Bau des Pfeilers auf der New Yorker Seite 34 Pfund pro Quadratzoll, also 2,34 Bar.

Senkkasten im East River für den Bau des Fundaments eines Brückenpfeilers für die Brooklyn Bridge (Seite 19)

Zunächst als privates Projekt geplant und gestartet, wurde die Brücke noch zu Bauzeiten von den beiden Städten Brooklyn und New York übernommen. Damit stellte sich die Frage, ob deren Benutzung kostenlos sein sollte oder nicht. Unter Abwägung verschiedener Standpunkte wurde schliesslich für die Erhebung von Gebühren entschieden. Die Preise richteten sich nach der Fortbewegungsart.

Maut-Gebühren für die Benutzung der Brooklyn Bridge (Seite 69)

Zum Vergleich: Der Bau der Brücke kostete rund 15 Millionen Dollar und das Buch wurde zum Preis von 25 Cents verkauft, wie der Titelseite zu entnehmen ist. (Das Digitalisat des Buches als PDF, einzelne JPEG-Bilder daraus in 300 dpi Auflösung und den Volltext finden Sie auf e-rara aber wie gewohnt kostenlos.)


A complete history on the New York and Brooklyn Bridge. From its conception in 1866 to its completion in 1883 / compiled by S. W. Green. With portraits and sketches of the lives of John A. Roebling et al. New York: S. W. Green’s son, 1883. 96 Seiten. ETH-Bibliothek Zürich, Rar 2156. https://doi.org/10.3931/e-rara-15277 / Public Domain Mark

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