Diderot/D’Alembert: Encyclopédie ou Dictionnaire Raisonné des sciences, des arts et des metiers (Genf und Neuchâtel, 1777-1779)

Die Sammlung Alte Drucke beherbergt unter zahlreichen weiteren Enzyklopädien auch eine Ausgabe der berühmtesten Enzyklopädien überhaupt, die Encyclopédie von Denis Diderot (1713-1784) und Jean-Baptiste le Rond d’Alembert (1717-1783). Es handelt sich dabei um die in Genf und Neuchâtel zwischen 1777 und 1779 von Léonard Pellet gedruckte Quarto-Ausgabe in 36 Text- und 3 Tafelbänden.

Übersichtstafel (Système figuré) über die Wissensbereiche in Band 1 der Encyclopédie

Das aufklärerische Projekt von Diderot und D’Alembert wurde von Anfang an sowohl vom französischen König Louis XV, wie auch vom Papst mit Unmut betrachtet und 1757 schliesslich verboten. Einige der 142 namentlich bekannten Enzyklopädisten, darunter François Marie Arouet Voltaire und Jean-Jacques Rousseau, wurden gar polizeilich verfolgt. Diese widrigen Umstände führten dazu, dass das beim breiten Publikum äusserst populäre Werk im Ausland, darunter auch in den Schweizer Städten Genf, Lausanne, Neuchâtel und Bern, weiter gedruckt wurde. Gegenüber der Erstausgabe von Paris (1751-1772) wurden einiger dieser Neuauflagen durch die lokalen Behörden zensuriert. So ist denn auch unsere Genf-Neuchâtel-Ausgabe eine inhaltlich abgeschwächte Version des Originals und damit eine Annäherung an die offizielle Orthodoxie.

D’Alembert kündete bereits im Vorwort der Encyclopédie eine Wende im bisherigen Denken an, indem er sagte, dass das Wissen der Menschheit nicht aus Rom oder vom König kommt, sondern vom individuellen Sinn und Verstand. Dieses neue Wissensverständnis wird auch im Titel dictionnaire raisonné deutlich: wir haben hier eine Enzyklopädie vor uns, in der über die Wörter raisonniert, oder eben nachgedacht wird. Anschaulich wird diese kritische Reflexion etwa am Beispiel des Lemmas „Anthropophages“ (dt. Menschenfresser). Auf die nüchterne Beschreibung des Kannibalismus folgt der Hinweis: Voyez „Eucharistie“. Umgekehrt wird vom Lemma „Eucharistie“ auch wieder auf die Menschenfresser verwiesen. Es erstaunt nicht, dass diese  kritischen Querverweise den Zorn der Kirche weckten.

Links:

Die Encyclopédie von Diderot und D’Alembert ist online bei Gallica (Paris, 1751-1765).

Das ARTFL Project der University of Chicago hat eine suchbare Version der Erstausgabe erstellt (E-Text). Sie ist leider nicht sehr benutzerfreundlich, enthält aber zahlreiche Informationen zur Encyclopédie und weitere Enzyklopädien wie etwa Pierre Bayles Dictionnaire historique et critique (1740).

Projekt „Allgemeinwissen und Gesellschaft“ der Universität Zürich

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