Bewegte Studentenschaft: 150 Jahre Verband der Studierenden an der ETH (VSETH)

Der Verband der Studierenden an der ETH (VSETH) feiert Anfang März 2012 sein 150jähriges Jubiläum. Zu den Jubiläumsfeierlichkeiten des Verbands gehört u.a. die Präsentation der von Urs Lengwiler, Daniel Kauz und Simone Desiderato verfassten Festschrift „Was Studenten bewegt – 150 Jahre Verband der Studierenden an der ETH“ (Baden: hier + jetzt, 2012). Die Festschrift beruht zu einem guten Teil auf Text- und Bildquellen aus den Archiven und Nachlässen bzw. dem Bildarchiv der ETH-Bibliothek.

Der VSETH beteiligte sich nach dem Ersten Weltkrieg an Hilfsaktionen zugunsten kriegsversehrter Studierender. Gedenkkarte der Hilfsaktion für Wiener Studenten (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Fel_070145-RE).

Der Polytechnische Verein, die erste Vorläufervereinigung des VSETH, wurde 1867 aufgelöst. Der letzte Eintrag im Protokollband wurde daher mit einem Kreuz markiert (ETH-Bibliothek, Archive und Nachlässe, Hs 1044:1, S. 77f).

Der Polyball ist seit Jahrzehnten ein wichtiges Aushängeschild des VSETH. Im Bild eine Momentaufnahme des Polyballs von 1955 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Com_M04-0302-0007).

Das aktive studentische Referendumskomitee sammelte 1969 sehr erfolgreich Unterschriften gegen das umstrittene ETH-Gesetz. Passend zu den unkonventionellen Aktionen des Komitees wurden die Referendumsbogen, nach Kantonen getrennt, mit Fahrrädern vom Bahnhof Bern ins Bundeshaus transportiert (Bildarchiv, Com_L18-0021-0025).

In seiner Festschrift hinterfragt das Autorenkollektiv gezielt das gängige, nicht zuletzt vom VSETH selbst mitgeprägte Bild, wonach sich die Verbandsgeschichte über lange Strecken wie ein Tiefschlaf ausnimmt, der nur durch kurze Phasen studentenpolitischer Radikalisierung – dem Schüleraufstand und Massenaustritt von 1864 sowie dem Aufbruch von 1968 mit gewonnenem Referendum gegen das ETH-Gesetz und der darauffolgenden institutionellen „Experimentierphase“ der 1970er Jahre – unterbrochen wird.

Diese bekannten zentralen Ereignisse der Verbandsgeschichte fehlen selbstverständlich auch in der neuen Festschrift nicht. Daneben umfasst die chronologisch gegliederte Verbandsgeschichte von der anfänglichen Studentenverbindung hin zur etablierten modernen Interessensvertretung aber ebenfalls unbekanntere Aspekte. Etwa die aktive Rolle des damaligen Vereins der Polytechniker im langjährigen Prozess der Akademisierung der Polytechnischen Schule um 1900. Oder die Art und Weise wie sich der Verband in den Nachkriegsjahren eine antikommunistische Haltung im Zeichen des Kalten Krieges zu eigen machte. Ausführlich dargestellt wird abschliessend, wie der VSETH in jüngerer Zeit seine Verbandsarbeit zunehmend professionalisierte, sowohl auf hochschulpolitischer Ebene als auch beim Ausbau des Angebots an Freizeitaktivitäten. Interessante inhaltliche Ergänzungen bieten die eingeschobenen Texte zu Veranstaltungen und Institutionen, die eng mit dem VSETH verknüpft sind. Dazu gehören etwa der Polyball, die Wohnbaukommission (WoKo) oder das Studentische Zentrum (StuZ).

Quellen:
Verzeichnis des Bestands VSETH-Archiv der Archive und Nachlässe, ETH-Bibliothek

Lektüre:
Lengwiler, Urs et al. Was Studenten bewegt – 150 Jahre Verband der Studierenden an der ETH. Baden: hier + jetzt, 2012

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